Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Frankfurt am Main

Initiative Gedenk- und Informationsstätte KZ „Katzbach“ / Adlerwerke Frankfurt am Main

Die Adlerwerke

Am Rande der Frankfurter Innenstadt, in einem Gebäudeflügel des Werkes I der Adlerwerke, bestand von August 1944 bis März 1945 das „Arbeitskommando Katzbach“, eines von rund 1.200 KZ-Außenlagern im damaligen Deutschen Reich. Als eines von 27 Außenkommandos des im Elsass gelegenen KZ Natzweiler-Struthof wurde es nach dessen kriegsbedingter Auflösung von dem nach Baden-Württemberg verlegten Kommandanturstab verwaltet. Es gilt als das grausamste seiner Art auf dem Gebiet des heutigen Landes Hessen und wies die höchste Todesrate aller Fabrikkommandos des KZ Natzweiler-Struthof auf.

Die Adlerwerke, zu dieser Zeit bedeutender Automobilhersteller und Schützenpanzerlieferant, hatten zur Sicherung ihrer rüstungswirtschaftlichen Produktion bereits ab Mitte 1941 in erheblichem Umfang auf sogenannte „zivile“ Zwangsarbeitskräfte sowie auf Kriegsgefangene zurückgreifen können. Nach umfangreichen Zerstörungen im Werk und dem Schwinden der „zivilen“ Arbeitskräfte in der Kriegsendphase versuchte man, mit unbegrenzt rekrutierbaren KZ-Häftlingen die Produktionsausfälle zu kompensieren.

Die Arbeits-, Unterbringungs- und Verpflegungsbedingungen in diesem Lager unter SS-Bewachung entsprachen dem Prinzip der „Vernichtung durch Arbeit“. Von den zirka 1.600 in Buchenwald, Dachau, Auschwitz und Neuengamme selektierten Häftlingen – mehrheitlich Deportierte des Warschauer Aufstandes vom August 1944 – überlebten nur 48 das Kriegsende. Nicht mehr Arbeitsfähige wurden in das Sterbelager Vaihingen sowie in das KZ Dachau überstellt und durch neu rekrutierte Zugänge ersetzt. Während der siebenmonatigen Lagerzeit starben allein 528 der Häftlinge in Frankfurt, viele weitere mußten während der Todesmärsche und -transporte nach Lagerauflösung ihr Leben lassen.

Die Ausstellung regt zum Nachdenken und Diskutieren an.

Die Initiative setzt sich für die Einrichtung einer Gedenk- und Informationsstätte in den historischen Räumen des KZ „Katzbach“ / Adlerwerke ein. Diese soll zum einen die Geschichte des dortigen Arbeitskommandos selbst zum Gegenstand haben, sich darüber hinaus jedoch auch mit dem Schicksal der etwa 50.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter befassen, die während der NS-Zeit in mehr als 150 Frankfurter Betrieben eingesetzt waren. Neben einer ständigen Ausstellung hierzu soll die Gedenk- und Informationsstätte über eine Bibliothek, ein Archiv, Medienangebote und Veranstaltungsräume verfügen.

In Kooperation mit anderen Trägern kann die Initiative, welche bisher auf ehrenamtlicher Basis arbeitet, Fortbildungsangebote zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main machen. Die Entwicklung ihres Gedenkstättenkonzepts ist derzeit in Arbeit, ebenso Unterrichtskonzeptionen für verschiedene Schultypen. Darüber hinaus sind auf Anfrage Führungen möglich sowohl zum Ort des ehemaligen KZ „Katzbach“ als auch zur Begräbnisstätte der 528 hier Ermordeten und Gestorbenen auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Dort wurde im September 1997 auf Betreiben der Initiative und in Anwesenheit von acht noch lebenden ehemaligen Häftlingen ein Gedenkstein eingeweiht.

Publikation

Kaiser, Ernst/ Knorn, Michael: „Wir lebten und schliefen zwischen den Toten.“ Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit und Vernichtung in den Frankfurter Adlerwerken. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Frankfurt am Main, New York 1998.

Informationen

Eine Dokumentation der Initiative zu den bisherigen Aktivitäten ist auf Nachfrage erhältlich.

Videos zur Zwangsarbeit, „Arisierung“, Entschädigung, Gedenkstein-Einweihung können nachgefragt werden.

Anschrift

Initiative gegen das Vergessen
LAGG eV.
Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim
Kleine Hochstraße 5
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: aw-redaktion@lagg-ev.de
Internet: kz-adlerwerke-frankfurt.de

Ansprechpartner

Friedrich Radenbach
Rodheimer Straße 7
60385 Frankfurt am Main
Telefon und Fax: +49 (0) 69 45 93 68

Außerdem in Frankfurt am Main

Fritz Bauer Institut
Jüdisches Museum
Museum Judengasse und Gedenkstätte Neuer Börneplatz
DGB-Region Frankfurt-Rhein-Main
Impuls – Verein für Bildung und Kultur e.V.
Gruppe Stadtteilerkundung Rödelheim
Dokumentationsarchiv des deutschen Widerstandes 1933 – 1945

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.