Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
HLZ Gebäude

Ehemalige Synagoge Hadamar

Ehemalige Synagoge Hadamar

Zum Zeitpunkt der Einweihung der neuen Hadamarer Syngoge im Juni 1841 lebten rund 130 Juden in der Stadt.

Erste Hinweise auf die Existenz einer israelitischen Gemeinde in Hadamar, zu der auch Juden aus den umliegenden Dörfern gehörten, stammen aus dem Jahr 1640. Zum Zeitpunkt der Einweihung der neuen Hadamarer Syngoge im Juni 1841 lebten rund 130 Juden in der Stadt, das war – nach Wiesbaden – die zweitgrößte jüdische Gemeinde Nassaus. Die traditionell friedlichen Beziehungen zwischen jüdischen und christlichen Familien verschlechterten sich für die 84 zur Hadamarer Gemeinde zählenden Juden ab 1933 allmählich. Mehr als einem Drittel gelang die Auswanderung, mehr als die Hälfte überlebte das Nazi-Regime nicht. Im Jahr 1942 wurden die 23 zuletzt noch in Hadamar verbliebenen jüdischen Einwohner in zwei Transporten nach Osteuropa in den Tod deportiert.

Im Innern der Synagoge legte vermutlich der SS-Sturm 7/78 in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 einen Brand, der jedoch durch das Eingreifen von Nachbarn rechtzeitig gelöscht werden konnte. Nachdem am gleichen Tag Schulkinder die Inneneinrichtung geschändet und verwüstet hatten, war das Gebäude für Gottesdienste unbrauchbar geworden. Verhaftungen jüdischer Bürger und die Demolierung jüdischer Geschäfte und Wohnungen zogen sich noch über mehrere Tage hin. Acht jüdische Männer wurden nach dem Progrom für Monate in Konzentrationslagern inhaftiert, die meisten in Buchenwald, einer in Sachsenhausen.

Im Jahr 1953 wurde das Synagogengebäude, das sich damals in einem schlechten baulichen Zustand befand, von der JRSO, einer Treuhandgesellschaft für jüdisches Vermögen, als Atelier an den Scherenschnittkünstler Engert verkauft, der es jedoch mit zunehmendem Alter nicht mehr unterhalten konnte. Nachdem das Haus bereits gravierende Schäden aufwies, gelang es der Stadt im Jahr 1980, die ehemalige Synagoge zu kaufen und nach historischem Vorbild zu restaurieren. Am 6. September 1982 wurde sie als Gedenk- und Erinnerungsstätte eröffnet und seither für Gedenkfeiern, Gebetsstunden, Ausstellungen und Vorträge genutzt (Näheres bitte bei Herrn Lanio erfragen). Eine mit Hilfe des Hessischen Hauptstaatsarchivs erarbeitete Dokumentation informiert in der Synagoge über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Hadamar.

Interessierte Gruppen aus Schule, Jugend- und Erwachsenenbildung können die ehemalige Synagoge nach Absprache in Bildungsprojekte einbeziehen. Synagogenbesuche gehören auch zu den Stadtführungen, die das Fremdenverkehrsamt der Stadt, Telefon: +49 (0) 64 33 89157, auf rechtzeitige Anfrage anbietet. Auch eine spezielle Führung nur zur Synagoge ist möglich.

Publikationen

Schweitzer, Peter Paul: Das Schicksal der Hadamarer Juden. Die israelitische Gemeinde Hadamar und ihre Synagoge. Hrsg.: Magistrat der Stadt Hadamar. 2. Aufl. Hadamar 1989. (teils überholt!)

Schweitzer, Peter Paul: Juden im nassauischen Hadamar: Aufstieg und Untergang. CD-Rom. Hrsg.: Magistrat der Stadt Hadamar. Hadamar 2006.
Enthält die Geschichte der Hadamarer Juden, viele Originaltexte, detaillierte Darstellungen der jüdischen Einwohner mit Lebensdaten, -läufen und Stammbäumen.

Informationen

Eintritt frei. Führungen können vereinbart werden. Kurzinformation zu Bau und Einrichtung der Synagoge kostenlos erhältlich.

Standort

Ehemalige Synagoge Hadamar
Nonnengasse 6
65589 Hadamar
(gegenüber dem St.-Anna-Gesundheitszentrum)

Träger

Magistrat der Stadt Hadamar
Rathaus, Untermarkt 1
65589 Hadamar
Telefon: +49 (0) 64 33 8 91 12
Fax: +49 (0) 64 33 8 91 66
E-Mail: j.lanio@stadt-hadamar.de

Ansprechpartner

Jürgen Lanio (Hauptamt)

Öffnungszeiten

nach Vereinbarung

Außerdem in Hadamar

Gedenkstätte Hadamar

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.