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175. Geburtstag Bertha von Suttner

„Die Religion rechtfertigt nicht den Scheiterhaufen, der Vaterlandsbegriff rechtfertigt nicht den Massenmord und die Wissenschaft entsündigt nicht die Tierfolter.“ Bertha von Suttner in Schach der Qual von 1898

Die Schriftstellerin und Pazifistin wurde 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Bertha von Suttner, geborene Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettauch, wurde am 9. Juni 1843 in Prag geboren, stammte aus einer böhmischen Adelsfamilie und wuchs in einem aristokratischen Umfeld der österreichisch-ungarischen k.u.k. Monarchie auf. In ihrer Zeit als Gouvernante bei Freiherr Karl von Suttner 1873-1876 in Wien lernte sie den Sohn, Arthur von Suttner, kennen und lieben. Heimlich heirateten die beiden im Juni 1876 und zogen nach der Enterbung von Arthur von nach Georgien.
Nach der Aussöhnung mit der Familie von Suttner und der Heimkehr nach Österreich-Ungarn 1885 beschäftigte sich Bertha von Suttner zunehmend mit pazifistischen Themen. 1889 veröffentlichte sie den Roman „Die Waffen nieder“, der ihr größter literarischer Erfolg mit rund 40 Auflagen und zahlreichen Übersetzungen wurde. Darin beschrieb Bertha von Suttner die Gräuel des Krieges aus der Sicht einer Ehefrau. Mit diesem Buch traf sie den Nerv der Zeit und brachte sich damit ein in die zum Teil heftig geführten Diskussionen über Krieg, Militarismus und Frieden in der Gesellschaft. Die hohe Aufmerksamkeit, die sie mit ihrem Buch erzählte, machte sie zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der Friedensbewegung. 1905 erhielt sie den Friedensnobelpreis. In ihrer Rede vor dem Nobelpreiskomitee 1906 hob Bertha von Suttner drei Punkte hervor, die aus ihrer Sicht entscheidend für die Vermeidung oder Beendigung eines Krieges mit friedlichen Mitteln seien:

1. Die Gründung einer Friedensunion, an der alle Staaten beteiligt sein sollten, um Angriffe eines Staates auf einen anderen zu unterbinden.
2. Die Einrichtung eines Gerichtshofs, das im Namen aller Völker das Recht vertreten sollte.
3. Den Abschluss von Schiedsgerichtsverträgen als Mittel um Konflikte zwischen Staaten friedlich zu lösen.

Zahlreiche Städte in Österreich und Deutschland bewahren durch Benennung von Schulen, Plätzen und Straßen ihr Andenken. In Nidderau und in Mörfelden-Walldorf fühlen sich die beiden Bertha-von-Suttner-Schulen der Pazifistin eng verbunden. In beiden Schulen werden eine Kultur der Wertschätzung gepflegt, der Respekt vor sich und anderen gelebt und jeglicher Form von Rassismus entgegengetreten, ganz im Sinne von Bertha von Suttner. Hätte das weltweit größte Schulnetzwerk, das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen so etwas wie eine geistige Mutter, dann wäre diese Bertha von Suttner gewesen.