Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Der 9. November – ein Tag des Auf- und Umbruchs und ein Tag des Gedenkens

Hagen Schulze: Kleine deutsche Geschichte

„An keinem Kalendertag des Jahres treffen in der deutschen Geschichte Freude, Mahnen, und Gedenken in derart geballter, voneinander nicht trennbarer Form aufeinander. In der deutschen Erinnerungskultur ist er unverzichtbar“, so HLZ-Direktor Dr. Alexander Jehn.

Am 9. November fanden mehrere Ereignisse statt, die für politische Wendepunkte in der deutschen Geschichte sorgten: das Ende des Kaiserreichs und die Ausrufung der Republik 1918, der gescheiterte Hitlerputsch in München 1923, die Reichspogromnacht 1938 und der Fall der Mauer 1989. Der 9. November steht einerseits für das Erinnern an demokratische Revolutionen, die Monarchien und eine Diktatur beendeten und einschneidende Veränderungen in Deutschland zur Folge hatten. Andererseits steht der Tag aber auch für Angriffe auf die Demokratie und für die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Er ist deswegen auch ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

9. November 1918
Reichskanzler Max von Baden ließ am 9. November 1918 die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. verlauten, trat selbst zurück und übergab Friedrich Ebert von der SPD die Amtsgeschäfte. Am Nachmittag rief Philipp Scheidemann (SPD) in Berlin am Reichstagsgebäude die „Deutsche Republik“ aus. Zeitgleich verkündete Karl Liebknecht vom Spartakusbund im Berliner Lustgarten die „Freie Sozialistische Republik Deutschland“.

9. November 1923
Adolf Hitler unternahm am 9. November 1923, am 5. Jahrestag der Ausrufung der Republik, einen Putschversuch gegen die Reichsregierung. Der Putsch scheiterte nach wenigen Stunden vor der Feldherrnhalle in München. Hitler wurde zu fünf Jahren Festungshaft in Landsberg am Lech verurteilt, kam jedoch bereits nach neun Monaten wieder frei.

9. November 1938
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im ganzen Gebiet des Deutschen Reiches jüdische Geschäfte und Einrichtungen zerstört und Synagogen in Brand gesteckt. Mehrere hundert jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden in der Woche vom 7. bis 13. November 1938 von den Nationalsozialisten ermordet.

9. November 1989
Die friedliche Revolution in der DDR gegen das SED-Regime führte am 9. November 1989 zur Öffnung der deutsch-deutschen Grenze. Am 3. Oktober 1990 folgte mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland die deutsche Wiedervereinigung.
Als Datum des Mauerfalls war der 9. November auch als Nationalfeiertag des vereinigten Deutschland im Gespräch. Allerdings wurde aus Rücksicht auf das Gedenken an den 9. November 1938 schließlich darauf verzichtet und der 3. Oktober 1990 (Unterzeichnung des Einigungsvertrags) zum Tag der Deutschen Einheit bestimmt.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann folgender Titel zum Thema bestellt werden: Hagen Schulze: Kleine deutsche Geschichte.