Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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75. Todestag von Heinrich Fulda: Vorbildlicher Demokratie-Pionier

Der Sozialdemokrat Heinrich Fulda wurde nach den ersten freien Wahlen am 26. Januar 1919 in Hessen erster Innenminister des Volksstaats Hessen, wie man das ehemalige Großherzogtum Hessen-Darmstadt nun nannte, unter der Regierung von Carl Ulrich. Heinrich Fulda, Sohn des jüdischen Kaufmanns Simon Fulda und seiner Frau Charlotte Lea, geborene Stern, studierte Jura in Heidelberg, Würzburg, Leipzig und Gießen und wurde 1892 Rechtsanwalt in Darmstadt. Seit 1905 war er als SPD-Abgeordneter Mitglied im Hessischen Landtag. In Darmstadt gehörte er ab 1909 der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistags an. Fulda trug zwar den Namen der osthessischen Bonifatiusstadt, hatte aber zu dieser keine direkten Bezüge.

Nach der Absetzung Großherzog Ernst Ludwigs am 9. November 1918 beauftragte der Arbeiter- und Soldatenrat den Sozialdemokrat Carl Ulrich mit der Regierungsbildung. Am 14. November 1918 wurde die Übergangsregierung aus Carl Ulrich, Heinrich Fulda (SPD), Konrad Henrich (Fortschrittspartei) und Otto von Brentano di Tremezzo (Zentrum) gebildet. Nach der Wahl am 26. Januar 1919 gehörte Heinrich Fulda als Innenminister der Regierung unter Carl Ulrich an. Aufgrund von Streitigkeiten mit der eigenen Partei trat er im Sommer 1921 von seinem Amt vorzeitig zurück.

In der Zeit des Nationalsozialismus war er aufgrund seiner nichtjüdischen Frau zunächst von Deportationen in Konzentrationslager verschont geblieben. Im Mai 1943 wurde Heinrich Fulda als 80-Jähriger dann doch aus Darmstadt abtransportiert und am 1. Juni 1943 in Auschwitz ermordet.

Seit 1982 erinnert der Heinrich-Fulda-Weg im Stadtteil Kranichstein in Darmstadt an ihn. „Fulda gehört zu den hessischen Vorbildern der parlamentarischen Demokratie, die heute ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Dabei sind es gerade die mutigen Demokratie-Pioniere und Spurleger aus der Zeit der Anfänge der Weimarer Republik, die auch in heutiger Zeit als Positivbeispiele für politisches Engagement ihren Platz haben müssten“, so Dr. Alexander Jehn, Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ).