Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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75. Todestag der Geschwister Scholl und Christoph Probst

© FISCHER Taschenbuch

"Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, seine Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet!" 

So der Aufruf im sechsten Flugblatt der „Weißen Rose", das die Widerstandsgruppe im Februar 1943 verbreitete. „Die Forderung nach einem ‚neuen geistigen Europa‘ ist auch heute hochaktuell. Wir tun so, als ob die bürgerlichen Freiheiten unantastbar seien. Dabei sind wir keineswegs immun gegen Propaganda von Extremisten aller Richtungen. Deshalb müsste die ‚Weiße Rose‘ auch heute noch blühen, damit Jugendliche kritisch nachdenken über das, was sie an Nachrichten und Botschaften aus den Tiefen des Internet täglich erreicht,“ so Dr. Alexander Jehn, Direktor der hessischen Landeszentrale für politische Bildung. 

Die „Weiße Rose“ rechnete in ihren insgesamt 6 Flugblättern 1942/1943 mit dem nationalsozialistischen Regime ab. Vor allem in den Flugblättern 5 und 6 im Januar und Februar 1943 ging die Studentengruppe auf die katastrophale militärische Situation der deutschen Wehrmacht nach Stalingrad ein und warf den Nationalsozialisten Kriegsverbrechen vor. Eindringlich forderte die Studentengruppe die Jugend, die Studentinnen und Studenten und die ganze Bevölkerung auf, Widerstand zu leisten und sich von der verbrecherischen Hitler-Clique abzuwenden. 

Die Widerstandsgruppe zeichnete dabei auch das Bild eines zukünftigen Europas nach dem Krieg. Europa sollte aus freien Staaten bestehen, die nicht von Militarismus, Imperialismus und Nationalismus geprägt sein sollten. Die Grundlagen des neuen Europa sollten sein: „Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten.“  Für Deutschland forderten sie eine föderalistische Struktur weg vom preußischen Militarismus und einer zentralistischen Gewalt.

Den Kern der „Weißen Rose“ bildeten fünf Studenten, zwischen 21 und 25 Jahren alt: Hans und Sophie Scholl, Willi Graf, Christoph Probst und Alexander Schmorell. Unterstützt wurden sie dabei von Professor Kurt Huber.  Beim Verteilen von Flugblättern im Lichthof der Münchener Universität im Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl festgenommen. Am 22. Februar 1943 wurden sie zusammen mit Christoph Probst vor dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am selben Tag noch hingerichtet. Im April 1943 folgte ein zweiter Prozess gegen 14 weitere Mitglieder der Weißen Rose. Willi Graf, Kurt Huber und Alexander Schmorell wurden zum Tode verurteilt, die anderen zu Haftstrafen. 

In München verbreitete der Chemiestudent Hans Leipelt mit mehreren Studenten das sechste Flugblatt der „Weißen Rose“. Durch Verrat wurde er festgenommen, am 13. Oktober 1944 zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 in München hingerichtet. 

An der Hamburger Universität setzte sich der studentische Widerstand der „Weißen Rose“ ebenfalls fort bis die Gestapo Ende 1944 den Kreis aufdeckte und zerschlug. Die Mitglieder der Hamburger Weißen Rose kamen ins Gefängnis oder Konzentrationslagern, wo einige von ihnen starben.  Am 17. April 1945 wurde der maßgebliche Unterstützer Heinz Kucharski zum Tode verurteilt, konnte aber auf dem Weg zur Hinrichtung fliehen.

 

Einen Überblick über den deutschen Widerstand bietet das „Lexikon des deutschen Widerstands“ (Wolfgang Benz/Walter H. Pehle), das bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung hier bestellt werden kann.