Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
Bild Deine Demokratie

75. Jahrestag der Ermordung Wilhelm Leuschners
Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur

Wilhelm Leuschner wurde am 15. Juni 1890 in Bayreuth geboren. Als gelernter Holzbildhauer kam er im Mai 1908 nach Darmstadt, wo er später zum Vorsitzenden des Zentralvereins der Bildhauer Deutschlands wurde. Nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg wurde er 1919 Vorsitzender der Darmstädter Gewerkschaften, engagierte sich für die SPD zunächst in der Lokalpolitik und wurde später im Dezember 1924 in den Hessischen Landtag, als dessen Vizepräsident er bis 1928 amtierte, gewählt. Im Februar 1928 wurde er hessischer Innenminister. Als Innenminister befasste er sich u.a. mit der Neufassung der Gemeindeordnung, mit Fragen der Reichsreform insbesondere im Rhein-Main-Gebiet und mit der Neuorganisation des hessischen Polizeiwesens. Außerdem arbeitete er an der Weiterentwicklung der Weimarer Reichsverfassung mit dem Ziel, „aus der politischen die soziale Demokratie zu machen“. Leuschner bekämpfte die Nationalsozialisten, drängte zu einer Hochverratsklage gegen die Partei und Adolf Hitler, allerdings vergeblich. Nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten musste Leuschner sein Amt als Innenminister aufgeben. Als Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) kam er im Juni 1933 ohne strafrechtliche Verurteilung für ein Jahr ins Konzentrationslager. Nach der Entlassung 1934 baute er ein Widerstandsnetzwerk unter Sozialdemokraten und Gewerkschaftsvertretern im ganzen Reichsgebiet auf. Später erweiterte sich dieses Netzwerk auf oppositionelle Militärs und Nationalkonservative, Vertreter beider Kirchen und den Kreisauer Kreis, auf Linkssozialisten, Pazifisten, liberale und sonstige Einzelpersönlichkeiten. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Wilhelm Leuschner verhaftet und am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Der Leuschner-Biograph Axel Ulrich resümiert über Wilhelm Leuschner:
„Wilhelm Leuschner war einer von jenen gar nicht so wenigen deutschen Widerstands-kämpfern, die es verdienen, dass wir ihr Andenken unserer Jugend nahe bringen und für die nachwachsenden Generationen bewahren, damit auch diese begreifen, warum wir alle unsere Demokratie hüten müssen wie unseren Augapfel. Doch nicht nur das: Genauso gilt es, diese beständig weiterzuentwickeln, sie zu vervollkommnen und immer wieder aufs Neue zukunftsfähig zu machen. Denn nur so werden wir dem kostbaren Erbe, das uns die Protagonisten des antinazistischen Widerstandes hinterlassen haben, wirklich gerecht.“

In Hessen sind zahlreiche Schulen, Straßen und Plätze nach Wilhelm Leuschner benannt, u.a. in Darmstadt, Egelsbach, Pfungstadt oder Wiesbaden.

Die höchste Auszeichnung des Landes Hessen ist seit 1964 die Wilhelm-Leuschner-Medaille. Die Medaille ist als Auszeichnung für Personen bestimmt, die sich im Geiste Wilhelm Leuschners hervorragende Verdienste um die demokratische Gesellschaft und ihre Einrichtungen erworben haben. Der Erlass wurde 2008 insofern geändert, dass die Medaille auch "zur Würdigung des Einsatzes für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit verliehen" werden kann. Zu den bisherigen Preisträgern zählen u.a. Georg August Zinn, Georg Buch, Nora Platiel, Georg Leber, Heinrich Zinnkann, Willi Richter, Dolf Sternberger, Eugen Kogon, Robert Kempner, Max Mayr, Elisabeth Selbert, Irmgard Heydorn, Otto Brenner, Kurt Wolff, Roland Koch, Angela Merkel und Alfred Grosser.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann der Band von Axel Ulrich: „Wilhelm Leuschner. Ein deutscher Widerstandskämpfer“ hier bestellt werden.