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75. Jahrestag Aufstand im Warschauer Ghetto

„Wir wollen nicht Leben retten, wir wollen unsere Würde retten“, Arie „Jurek“ Wilner, einer der Gründer der Jüdischen Kampforganisation (ZOB) zum Aufstand im Warschauer Ghetto

In Warschau befand sich 1939 die größte jüdische Gemeinde Europas. Nach dem deutschen Überfall auf Polen und während der Besatzung wurde im Herbst 1940 das Warschauer Ghetto errichtet. 400.000 Menschen waren im Stadtzentrum Warschaus eingeschlossen. Die Zahl stieg im Laufe des Jahres 1941 auf 460.000. Die Menschen mussten dort auf engstem Raum unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Bis zum Sommer 1942 starben schätzungsweise 100.000 Menschen an Hunger, an Krankheiten oder durch Gewalt der Besatzer. 

Ab Juli 1942 wurden rund 300.000 Männer, Frauen und Kinder in das Vernichtungslager Treblinka und andere Lager deportiert und umgebracht. 

Nach den großen Deportationen lebten noch etwa 60.000 Juden im Warschauer Ghetto. Im Untergrund formierte sich die Jüdische Kampforganisation (ZOB), die sich ab Januar 1943 den weiteren Deportationen widersetzte. Vom 19. April bis 16. Mai 1943 kämpfte die ZOB gegen die anrückenden SS-Verbände, die das Ghetto in diesem Zeitraum zerstörten. Rund 13.000 Juden wurden während des Aufstandes erschossen oder starben in den Bunkern. Ca. 40.000 Menschen wurden  in das Vernichtungslager Treblinka, nach Majdanek und weitere Lager deportiert. Damit war die größte jüdische Gemeinde Europas fast vollständig ausgelöscht.

Nur wenige überlebten wie der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki , der in der Ghetto-Verwaltung als Übersetzer arbeitete und seine Frau Tosia oder Israel Gutman, ein Widerstandskämpfer, der später Chefwissenschaftler der israelischen Holocaust- Gedenkstätte Yad Vashem wurde.

Gegenüber dem Ehrenmal des jüdischen Ghettos wurde 2013 das Museum der Geschichte der polnischen Juden eröffnet, das zeitlich vom Mittelalter bis zur Gegenwart reicht und ausführlich das Warschauer Ghetto und den Aufstand dokumentiert.