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50. Todestag Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno, Philosoph, Soziologe, Musikphilosoph und Komponist, zählt neben Max Horkheimer zu den Hauptvertretern der „Kritischen Theorie“ (Frankfurter Schule). Die „Kritische Theorie“ analysiert die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft, hinterfragt deren Fundamente und fordert stattdessen eine „vernünftige Gesellschaft“. Seine Arbeiten als Philosoph und Soziologe stehen in der Tradition von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Sigmund Freud.

Foto: Vysotsky (Wikimedia) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Der 1903 in Frankfurt geborene, in großbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene Adorno beschäftigte sich schon früh mit philosophischen Theorien und Fragestellungen. Gleichzeitig widmete er sich aber auch intensiv seiner zweiten Leidenschaft, der Musik, setzte sich nach seinem Philosophiestudium mit der Kompositionslehre im Kreis der Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg auseinander und betätigte sich als Musikkritiker. Ab 1931 lehrte er als Privatdozent an der Frankfurter Universität bis ihm, 1933, die Nationalsozialisten als Halbjude die Lehrerlaubnis entzogen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus lebte er zunächst in Großbritannien, emigrierte schließlich 1938 mit seiner Frau in die USA und wurde dort offiziell Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung, das sein Freund Max Horkheimer leitete. In den USA arbeitete Adorno an empirischen Forschungsprojekten, u.a. über den autoritären Charakter, und schrieb mit Max Horkheimer die Dialektik der Aufklärung (1944-47), der als zentraler Text der Frankfurter Schule gilt.

Der Kern der „Kritischen Theorie“, die an Horkheimers Aufsatz „Traditionelle und kritische Theorie von 1937 anknüpft, ist die kritische Auseinandersetzung mit der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Durch die theoretische Aufklärung werden die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse offengelegt. Mit dem neuen Blick auf diese Verhältnisse beginnt die verändernde Praxis hin zu einer vermeintlichen „vernünftigen“ Gesellschaft.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1953 war er einer der Direktoren des in Frankfurt wiedereröffneten Instituts für Sozialforschung. Mit seinen Reden, Rundfunkvorträgen und Publikationen beteiligte er sich in der Folgezeit intensiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Bundesrepublik Deutschland. Seine Vorlesungen im größten Hörsaal an der Frankfurter Universität waren immer restlos überfüllt und wurden von Studenten aller Fachrichtungen besucht. Mit seiner grundsätzlichen Kritik an der bundesdeutschen, auf Aufschwung und Westorientierung fixierten Nachkriegsgesellschaft hatte er viele Unterstützer bei der deutschen Studentenbewegung. Was er allerdings ablehnte waren Störungen und Gewaltanwendungen.

Theodor W. Adorno starb am 6. August 1969. Sein Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählen u.a. Silvia Bovenschen, Jürgen Habermas, Hans Imhoff, Joachim Kaiser, Alexander Kluge, Werner Mangold, Ivan Nagel, Oskar Negt, Hermann Schweppenhäuser, Bassam Tibi, Rolf Wiggershaus und Gisela von Wysocki.