Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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50. Todestag Fritz Bauer

Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zählt zu den bedeutendsten Juristen und Justizreformern in der Bundesrepublik Deutschland in den 50er und 60er Jahren und war maßgeblich an der Aufarbeitung und juristischen Verfolgung der NS-Verbrechen beteiligt. 

"Er hatte ein Herz. Das Humane war für ihn die eigentliche Triebkraft, ein guter Jurist zu sein," so der Politologe Jürgen Seifert über Fritz Bauer.

Der am 16. Juli 1903 in Stuttgart als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geborene Fritz Bauer studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und wurde 1930 in Stuttgart jüngster Amtsrichter Deutschlands. 1936 musste er aus politischen und religiösen Gründen Deutschland verlassen und floh nach Skandinavien, wo er mit Willy Brandt die „Sozialistische Tribüne“ (das Organ der sozialdemokratischen Partei im Exil) gründete.

Wenige Jahre nach Beendigung des Krieges holte ihn der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher nach Deutschland zurück. 1950 wurde Fritz Bauer zum Generalstaatsanwalt von Braunschweig berufen. Im Prozess 1952 gegen Otto Ernst Remer rehabilitierte er in seinem Plädoyer „die Helden des 20. Juli“, indem er den NS-Staat zum ersten Mal öffentlich als „Unrechtsstaat“ bezeichnete und damit auch das Recht auf Widerstand untermauerte. 

Ab Herbst 1956 beschäftigte sich Fritz Bauer u.a. auch mit dem Fall Adolf Eichmann. Eichmann war in der NS-Zeit für die gesamte Organisation der Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig und somit direkt mitverantwortlich für die Enteignung, Deportation und Ermordung von rund sechs Millionen Juden. Von einem jüdischen Emigranten erfuhr Fritz Bauer 1957 den Aufenthaltsort von Eichmann in Argentinien. Der israelische Geheimdienst entführte den NS-Schreibtischmörder schließlich am 11. Mai 1960 nach Israel, wo er am 15. Dezember 1961 zum Tode verurteilt wurde.

Im April 1959 wurde die Frankfurter Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Fritz Bauer vom Bundesgerichtshof mit der Ermittlung aller in Auschwitz begangenen Verbrechen beauftragt. Nach zwei Jahren umfassender Ermittlungsarbeit unterstützt von polnischer Seite eröffnete die Frankfurter Staatsanwaltschaft am 12. Juli 1961 die gerichtliche Voruntersuchung. Die Hauptverhandlung fand vom 20. Dezember 1963 bis zum 20. August 1965 in Frankfurt statt. Es wurde das bis dahin größte Schwurgerichtsverfahren in der deutschen Justizgeschichte. Rund 350 Zeugen, davon mehr als 200 Überlebende von Auschwitz wurden als Zeugen geladen. Der erste Auschwitz-Prozess von 1963-1965 sowie die nachfolgenden weiteren Auschwitz-Prozesse (1965-66 und 1967-68) führten die Vernichtungsmaschinerie des NS-Terrors gegen Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgter und anderer Diskriminierter eindringlich vor Augen. 

Die Unterlagen des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963-1965) wurden im Mai 2018 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen. 

Das Urteil im Auschwitz-Prozess fiel jedoch eher mild aus: 17 Angeklagte wurden wegen insgesamt 15.209 Morden verurteilt. Nur sechs der Angeklagten wurden als Täter verurteilt, die übrigen lediglich als Gehilfen. Dennoch machten die gesellschaftlichen Auswirkungen den Auschwitz-Prozess zu einem Meilenstein in der Geschichte der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. Er sorgte dafür, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der verbrecherischen Nazi-Vergangenheit in den Medien, in der Literatur und in der Öffentlichkeit einsetzte.

Fritz Bauer ging es in seiner Anklage nicht nur um die Bestrafung der Nazi-Verbrecher, sondern er wollte auch ein neues demokratisches Rechtsbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland schaffen. Er engagierte sich für einen humanen Strafvollzug und organisierte zusammen mit Alexander Mitscherlich die Bürgerrechtsbewegung "Humanistische Union". Bauer setzte sich dabei auf vielfältige Weise für ein neues Demokratieverständnis in Deutschland ein. 

Ein Jahr vor seinem Tod am 1. Juli 1968 sagte er in einem Interview: "Ich würde mir wünschen, dass junge Leute von heute vielleicht denselben Traum von Recht besäßen, den ich einmal hatte; und dass sie das Gefühl haben, dass das Leben einen Sinn hat, wenn man für Freiheit, Recht und Brüderlichkeit eintritt."

In der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung sind drei Publikationen zum Thema erschienen: