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400. Jahrestag 2. Prager Fenstersturz - Beginn des 30-jährigen Krieges

Am 23. Mai 1618 stürzten Protestanten die katholischen Statthalter aus dem Fenster des Prager Hradschin. Aus diesem regionalen Konflikt in Böhmen entwickelte sich der 30-jährige Krieg, der hauptsächlich auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ausgetragen wurde und Millionen von Menschen das Leben kostete. 

Im Königreich Böhmen regierten die katholischen Habsburger, die der böhmischen Bevölkerung aber mit dem kaiserlichen Privileg von 1609 Religionsfreiheit gewährten. Allerdings kam es von katholischer Seite aus immer wieder zu Übergriffen auf die Protestanten. Gegen diese Missstände gingen die Evangelischen des böhmischen Adels vor und forderten Kaiser Matthias bzw. den böhmischen König Ferdinand 1618 auf, die Religionsfreiheit wiederherzustellen. Als dies nicht geschah wurden die katholischen Statthalter in Prag von den Protestanten gestürzt und die Habsburger in den folgenden Monaten aus Böhmen verdrängt. Im August 1619 wählten die böhmischen Stände einen neuen König, Friedrich V. von der Pfalz, der jedoch nur ein gutes Jahr sein Amt ausübte. In der Schlacht am Weißen Berg im November 1620 wurden die evangelischen Stände in Böhmen von den Soldaten des neuen Kaisers Ferdinand II. vernichtend geschlagen. Böhmen wurde nun vollständig katholisch und zum habsburgischen Erbkönigreich erklärt. 

Neben dem Böhmisch-Pfälzischen Krieg folgten in der Folgezeit der Dänisch-Niedersächsische, der Schwedische und der Schwedisch-Französische Krieg. Bei den einzelnen Kriegen ging es letztendlich um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa. Auf Reichsebene standen sich Kaiser und Katholische Liga auf der einen und die Protestantische Union auf der anderen Seite gegenüber. Das Habsburgerreich und das katholische Frankreich kämpften auf europäischer Ebene um die Vorherrschaft; der Glaube wurde mitunter für eigene machtpolitische Ambitionen benutzt. Erst der Westfälische Friede von 1648 sorgte für ein Ende des bis dahin blutigsten Krieges in Deutschland und Europa. Leidtragende waren wie im aktuellen Syrienkonflikt zuallererst Zivilisten. Eine Vorgehensweise der „verbrannten Erde“ machte einige Regionen in Mitteleuropa nahezu unbewohnbar.

Aus den Friedensverhandlungen im katholischen Münster und evangelischen Osnabrück zwischen 1645 und 1648 versuchen Wissenschaftler heute Lehren zu ziehen, um beispielsweise im Syrienkonflikt Ansätze für eine erfolgversprechende Friedenslösung zu entwickeln u.a. durch die Separierung von Konfliktebenen.