Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Wegbereiter des Genossenschaftswesens: 200. Geburtstag Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Friedrich Wilhelm Raiffeisen © BVR

Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen wurde am 30. März 1818 im damals preußischen Hamm im Westerwald geboren als drittjüngstes Kind eines Landwirts. Fleiß, Sparsamkeit und Gläubigkeit prägten seine Kindheit.

Mit nur 27 Jahren 1845 wurde er in Weyerbusch/Westerwald zum Bürgermeister berufen. Weitere Bürgermeister-Stationen folgten. 1864 gründete er die erste ländliche Kreditgenosssenschaft, die Vorbild für die Gründung weiterer Darlehenskassen-Vereinen war. Aus karitativen Hilfsorganisationen wurden damit Genossenschaften, an denen sich Arme und Reiche gleichermaßen beteiligen konnten. Die Vereine gaben Kredite, beschafften Saatgut oder Düngemittel und erweiterten ihr Tätigkeitsfeld auf die Vermarktung und den Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte. Die Mitglieder der Vereine unterstützten sich damit gegenseitig und bildeten eine Art Solidargemeinschaft. Nach 1865 betätigte er sich vor allem als Berater und Mitbegründer von Darlehenskassen-Vereinen und Konsumgenossenschaften. Ein wesentlicher Schritt zur weiteren Verbreitung seines Konzepts war das 1866 von ihm veröffentlichte Buch “Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter”. Darin erläuterte er seine Erfahrungen beim Aufbau von Selbsthilfeorganisationen und gab Hinweise für die praktische Umsetzung für Genossenschaftsarten wie Konsum-, Verkaufs-, Winzer-, Molkerei- und Viehversicherungsgenossenschaften.

Raiffeisens genossenschaftliche Ideen und sein Motto „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ sind heute allgegenwärtig. In Deutschland gibt es rund 8000 Genossenschaften mit mehr als 22 Millionen Mitgliedern. Dazu zählen u.a. Wohnungsbaugenossenschaften, Winzer- und Agrargenossenschaften, Volks- und Raiffeisenbanken, Energiegenossenschaften, Lebensmittelhändler wie Edeka oder auch Schülergenossenschaften und Repaircafes. Sie alle arbeiten nach den drei genossenschaftlichen Prinzipien im Sinne Raiffeisens: Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Auch Hermann Schulze-Delitzsch gilt als einer der Väter des Genossenschaftswesens.

2016 erfolgte die Anerkennung der Genossenschaftsidee durch die UNESCO als Immaterielles Kulturerbe. „Genossenschaften fördern soziale Werte wie Ehrlichkeit, Verantwortlichkeit, Solidarität, die Besinnung auf Gemeinsamkeiten sowie die Partizipation an demokratischen Strukturen. Das sind Werte und Haltungen, die wir heute in einer vielschichtigen Gesellschaft mehr denn je brauchen und über die Schule vermitteln müssen“, so Dr. Alexander Jehn, Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.