Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
Bild Deine Demokratie

150. Geburtstag Zar Nikolaus II.

Nikolaus II. war der letzte Zar von Russland. Mit der Februarrevolution 1917 und der Ermordung des Zaren und seiner Familie 1918 durch die Bolschewiken endete die drei Jahrhunderte dauernde Herrschaft der Romanows in Russland. Die Bolschewiken hatten ihn für die verheerenden Kriege verantwortlich gemacht, gleichzeitig galt er ihnen als Hauptverantwortlicher für die sozialen Missverhältnisse und die wirtschaftliche Rückständigkeit.

Als Nachfolger seines Vaters Alexander III. war Nikolaus II. 1896 mit 28 Jahren (geboren am 18. Mai 1868) auf den Zarenthron gekommen. Er setzte die Politik seines Vaters weitgehend fort, zu Reformen war er nicht bereit. Unruhen und Demonstrationen wurden mit Gewalt niedergeschlagen. Zugeständnisse wie die Einführung von Grundrechten und die Schaffung einer gesetzgebenden Volksvertretung (Duma) hielten Nikolaus II. nicht davon ab, seine Herrschaftspolitik weiterzuführen. Die Widerstände gegen ihn und seine Politik nahmen stetig zu. Der Eintritt in den Ersten Weltkrieg an der Seite von Serbien, Frankreich und Großbritannien beschleunigte letztendlich den Niedergang des russischen Zarenreichs. Im Laufe des Krieges starben mehr als 1,8 Mio. russische Soldaten. Demonstrationen, Streiks und Hunger an der Heimatfront verschärften die Situation zusätzlich, was letztlich zum Ausbruch der Februarrevolution 1917 in St. Petersburg führte. Am 15. März 1917 dankte Zar Nikolaus II. ab und seine Familie wurde im Alexanderpalast von der provisorischen Regierung unter Hausarrest gestellt, bevor sie im August 1917 nach Sibirien gebracht und dort in Jekaterinburg im Juli 1918 ermordet wurde.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurden 1991 bei offiziellen Ausgrabungen die Schädel der Zarenfamilie in einem Waldstück in der Nähe der Villa in Jekaterinburg gefunden. Die russische Kirche sprach Zar Nikolaus II. und seine Familie im Jahr 2000 als Märtyrer heilig. 2008 entschied der russische Gerichtshof, dass die Familie Romanow Opfer eines politischen Mordes geworden ist.

Mit dem Tod der Zarenfamilie endeten auch die seit dem 18. Jahrhundert bestehenden dynastischen Beziehungen von Hessen-Darmstadt und St. Petersburg. Sichtbares Zeichen der engen Verbindung zwischen Russland und Hessen-Darmstadt ist die zwischen 1897 und 1899 erbaute Russische Kapelle St. Maria Magdalena durch Zar Nikolaus II., die als Hofkapelle der Familie bei Besuchen in Darmstadt und auf Schloss Heiligenberg (Jugenheim) diente. Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein, die Enkelin von Königin Viktoria von England, hatte 1894 den Großfürsten Nikolaus, den späteren Zar Nikolaus II., geheiratet. Ihre Schwester Prinzessin Elisabeth von Hessen und bei Rhein, hatte 1884 den Großfürst Sergei geehelicht. Auch sie wurde 1918 ermordet. In der russisch-orthodoxen Kirche wird Elisabeth seit 1992 als heilige Märtyrerin verehrt.

 

Mehr Informationen zu den Verbindungen zwischen Hessen und Russland finden Sie u.a. in „Die Hessens. Die Geschichte einer europäischen Familie“ (Rainer von Hessen) und in „Die Geschichte Hessens. Von den Neandertalern bis zur schwarz-grünen Koalition“ (Heiner Boehncke/Hans Sarkowicz). Beide Titel können bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung hier bestellt werden.

Die Hessens. Geschichte einer europäischen Familie

Erzählt von Rainer von Hessen
Boehncke, Heiner; Sarkowicz, Hans

Die Geschichte Hessens

Von den Neandertalern bis zur schwarz-grünen Koalition