Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
Bild Deine Demokratie

150. Geburtstag Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt

„Das Potential einer UNESCO-Weltkulturerbestätte besitzt die Darmstädter Mathildenhöhe.  Während die Künstler dieses einmaligen Jugendstil-Juwels allesamt ihren gebührenden Platz in der Kunstgeschichte gefunden haben, ist der Wegbereiter oft als Person der zweiten Reihe erwähnt. Sein 150. Geburtstag bietet einen passenden Anlass, diesem außergewöhnlichen, kunst- und feinsinnigen hessischen Landesfürsten zu gedenken,“ betont der Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Alexander Jehn.

Ernst Ludwig wurde am 25. November 1868 geboren. Er entstammte der jüngsten Linie des Haus Hessen und war letzter Großherzog von Hessen-Darmstadt. Seine Eltern waren Großherzog Ludwig IV. und dessen Frau Alice von Großbritannien und Irland. Seine Großmutter mütterlicherseits war Großbritanniens Königin Victoria. 

Als Erbgroßherzog musste Ernst Ludwig eine mehrjährige Offiziersausbildung absolvieren, obwohl er sich selbst nie zum Soldaten berufen sah, ganz im Gegensatz zu seinem Vater. In Leipzig und Gießen studierte er einige Jahre Jura. Die vielseitigen künstlerischen Interessen, Ernst Ludwig schrieb und komponierte selbst, hatte ihm seine früh verstorbene Mutter Alice mit auf den Lebensweg gegeben. 

Nach dem Tod seines Vaters 1892 ging der Großherzog-Titel und die Regentschaft auf Ernst Ludwig über. Er verstand sich selbst, geprägt durch zahlreiche längere Aufenthalte bei der englischen Verwandtschaft, als liberal-konstitutioneller Landesfürst und engagierte sich in Wissenschaft und Wirtschaft, beispielsweise durch Unterstützung der Universität Gießen, Gründung der Weinbauschule Oppenheim, Förderung der Opel-Werke, Förderung des Landesmuseums in Darmstadt und des Staatsbads in Nauheim. Mit dem Ziel „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“ gründete Ernst Ludwig 1899 die Darmstädter Künstlerkolonie („Mathildenhöhe“) und förderte als Mäzen unter anderem namhafte Künstler wie Peter Behrens, Max Reger, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Bernhard Hoetger, Albin Müller und Joseph Maria Olbrich. 1901 fand die erste Ausstellung der Künstlerkolonie unter dem Titel „Ein Dokument deutscher Kunst“ in Darmstadt statt. Drei weitere Ausstellungen folgten 1904, 1908 und 1914. 

1894 hatte Ernst Ludwig seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh, die Tochter seines Onkels Herzogs Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha und Maria Alexandrowna Romanowa, geheiratet.  Allerdings ließ er sich 1901 von Victoria Melita bereits wieder scheiden. 1905 heiratete er Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich (1871–1937). Aus dieser Ehe gingen der 1906 geborene Erbgroßherzog Georg Donatus sowie dessen Bruder Ludwig (1908) hervor. 

Im Ersten Weltkrieg versuchte Ernst Ludwig seine verwandtschaftlichen Verbindungen zum Zaren zu nutzen, um einen Frieden mit Russland zu vermitteln, allerdings vergeblich. Während der Novemberrevolution 1918 musste er als Großherzog abdanken. 

Ernst Ludwig konnte nach dem Ende der Monarchie mit seiner Familie in der Stadtresidenz im Neuen Palais wohnen bleiben und behielt im neu gegründeten Volksstaat Hessen eine angesehene Stellung. Ihm und seiner Familie wurden neben dem Neuen Palais u.a. auch Schloss Seeheim, Schloss Tarasp (Kanton Graubünden) und Schloss und Domäne Fischbach (Schlesien) als Privatbesitz zuerkannt. 1920 gründete Ernst Ludwig die „Schule der Weisheit“ mit Hermann von Keyserling als deren Leiter und 1924 das Darmstädter Schlossmuseum.

Nach seinem Tod am 9. Oktober 1937 in Schloss Wolfsgarten bei Langen wurde Ernst Ludwig im Park Rosenhöhe in Darmstadt beigesetzt. Kurz nach seinem Tod im Oktober 1937 starben bei einem Flugzeugunglück nahe Ostende seine Frau und sein Sohn Georg Donatus sowie dessen Gattin Cäcilia mit den Kindern Ludwig und Alexander. Sie alle sind ebenfalls im Park Rosenhöhe neben Ernst Ludwig begraben. 

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung können folgende Publikationen zum Thema bestellt werden:

 

Rainer von Hessen. Die Hessens. Geschichte einer europäischen Familie

 

Heiner Boehncke/Hans Sarkowicz: Die Geschichte Hessens

 

Frank-Lothar Kroll: Geschichte Hessens