Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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100. Jahrestag Novemberrevolution in Deutschland

Blickpunkt Hessen 25/2018:
Revolution über Hessen -
Demokratiegründung 1918/19

Die Novemberrevolution von 1918 führte zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und hin zu einer parlamentarischen Demokratie, der Weimarer Republik. Der Matrosenaufstand in Kiel und Wilhelmshaven war der Anlass, die tieferen Ursachen der Revolution lagen jedoch vor allem in den starken Belastungen der Bevölkerung und bei den Soldaten durch den seit über vier Jahren dauernden Krieg, die deutsche Niederlage und die zunehmenden sozialen Spannungen in der Gesellschaft.
Ausgangspunkt für die revolutionären Entwicklungen war der Matrosenaufstand in Kiel und in Wilhelmshaven. Die Seekriegsleitung wollte Ende Oktober 1918 eigenmächtig die deutsche Hochseeflotte zu einer weiteren Schlacht gegen England auslaufen lassen. Doch die kriegsmüden Matrosen verweigerten den Befehl. Der Aufstand der Matrosen weitete sich innerhalb von wenigen Tagen über das ganze Land aus. Bis zum 10. November bildeten sich in fast allen größeren deutschen Städten revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte, die größtenteils aus Anhängern von SPD und USPD (Unabhängige Sozialistische Partei Deutschlands) bestanden. Infolgedessen wurden die herrschenden Fürsten und die militärischen Generalkommandos abgesetzt. Die zivilen Behörden und Amtsträger des Kaiserreichs – Polizei, Stadtverwaltungen oder Gerichte – blieben jedoch bestehen.
Am Morgen des 9. November hatte der linke Flügel der USPD die Arbeiter in den Betrieben in Berlin zum Streik aufgerufen, worauf es in der Hauptstadt zu großen Demonstrationen kam. Die Demonstranten forderten wie die Arbeiter- und Soldatenräte Frieden, die Abdankung des Kaisers und eine umfassende Neuordnung der politischen Verhältnisse. Aufgrund der sich zuspitzenden Ereignisse verkündete Reichskanzler Max von Baden am selben Tag die Abdankung des Kaisers, seinen eigenen Rücktritt und die Übergabe der Geschäfte an Friedrich Ebert. Der Kaiser floh daraufhin ins niederländische Exil nach Amerongen, wo er am 28. November 1918 die Abdankungsurkunde unterzeichnete. Die SPD unter der Führung von Friedrich Ebert übernahmen die Regierungsgeschäfte.
Philipp Scheidemann rief am Nachmittag vom Balkon des Reichstaggebäudes die Republik aus. Gleichzeitig verkündeten die Spartakisten unter der Führung von Karl Liebknecht im Berliner Lustgarten die sozialistische Republik. Einige Forderungen Liebknechts, u.a. kriegswichtige Wirtschaftsbereiche sofort zu sozialisieren, scheiterten am Widerstand der SPD-Führung. Sie wollte, wie auch die bürgerlichen Parteien, die alten kaiserlichen Eliten nicht vollständig entmachten, sondern in die neuen demokratischen Strukturen integrieren, auch aus Angst vor einem Bürgerkrieg. Aufgrund dessen ging die SPD ein Bündnis mit der Obersten Heeresleitung ein und ließ im Januar 1919 den sogenannten Spartakusaufstand gewaltsam niederschlagen, auch mit Hilfe rechtsgerichteter Freikorpstruppen. Weitere Versuche zur Gründung von Räterepubliken, wie in Bayern, blieben erfolglos. Den formellen Abschluss fand die Revolution am 11. August 1919 mit der Verabschiedung der Weimarer Verfassung.
Im Großherzogtum Hessen bildeten sich in der Hauptstadt Darmstadt, in Wiesbaden und in weiteren Städten Anfang November ebenfalls Arbeiter- und Soldatenräte. Diese erklärten am 9. November 1918 Großherzog Ernst Ludwig für abgesetzt. Am 11. November 1918 wurde die SPD-Fraktion im Landtag mit der Regierungsbildung beauftragt und Carl Ulrich zum Ministerpräsidenten gewählt. Nach den Wahlen zur verfassunggebenden Volkskammer der Republik Hessen am 26. Januar 1919 trat Anfang Februar 1919 bereits eine vorläufige Verfassung in Kraft, die am 12. Dezember 1919 vom Landtag verkündet wurde.
Rechtsnachfolger des Großherzogtums Hessen war der Volksstaat Hessen, der aus zwei größeren voneinander getrennten Gebieten in Mittel- und Südhessen (einschließlich Rheinhessens) sowie einer Reihe kleinerer Exklaven bestand. Auf Grundlage des Versailler Vertrages wurden rund 40 Prozent des Staatsgebietes, hauptsächlich die linksrheinische Provinz Rheinhessen, bis Juni 1930 von französischen Truppen besetzt.
Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung bietet zum Thema folgende Publikationen an:
Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution. 1914-1918/19.
Gerhard Hirschfeld u.a.: 1918. Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution.
Walter Mühlhausen: Revolution über Hessen – Demokratiegründung 1918/19 (Blickpunkt Hessen Nr. 25 / 2018).
Philipp Scheidemann 1866-1939 – Arbeiterführer und Republikgründer (Blickpunkt Hessen Nr. 22 / 2016).
Weimarer Republik (Informationen zur politische Bildung 261).