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100. Jahrestag Friedensvertrag von Brest-Litowsk

Bild: © be.bra verlag

Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk am 3. März 1918 führte in Russland zu blutigen Auseinandersetzungen und zementierte letztendlich die alleinige Machtstellung der Bolschewiki.

Die Bolschewiki übernahmen im Oktober 1917 die Macht in Russland. Die neue Regierung unter Lenins Führung drängte auf einen Friedensschluss mit dem Deutschen Reich, um die innere Stabilität Russlands zu erhalten. Am 15. Dezember 1917 wurde im russischen Brest-Litowsk ein Waffenstillstand unterzeichnet. Bei den nachfolgenden Friedensverhandlungen, ab Januar 1918 unter Trotzkis Führung, setzten die russischen Verhandlungsführer auf Verlangsamung, da sie hofften, die revolutionären Unruhen in ihrem Land könnten auch auf die Mittelmächte übergreifen. Trotzkis Strategie ging jedoch nicht auf. Die Revolution zeigte sich bei den Mittelmächten nur in Ansätzen. Stattdessen schlossen die Mittelmächte mit der Regierung der Volksrepublik Ukraine am 9. Februar 1918 einen Separatfrieden, wodurch die Bolschewiki unter Druck gerieten.

Letztendlich musste Russland kapitulieren und unterzeichnete am 3. März 1918 den Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit dem Deutschen Reich. Russland musste seine Armee demobilisieren und  auf seine finnischen, kurländischen, litauischen, polnischen und ukrainischen Gebiete verzichten. Damit verlor es jeweils mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung, seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche und seines Eisenbahnnetzes sowie drei Viertel seiner Lagerstätten für Kohle und Eisenerz sowie nahezu alle erschlossenen Erdölvorkommen und Anbauflächen für Baumwolle.

Der Vertragsabschluss führte in Russland zum Konflikt vor allem zwischen den Sozialrevolutionären und den Bolschewiki, der im Juli 1918 eskalierte. Es kam zu einem Aufstand der Linken Sozialrevolutionären, der von den Bolschewiki blutig niedergeschlagen wurde. Menschewiki und gemäßigte Sozialrevolutionäre waren zuvor bereits im Juni 1918 vom Zentralen Sowjetkomitee als konterrevolutionär erklärt worden, was einem Parteiverbot gleichkam. Damit war Russland ab Sommer 1918 praktisch ein Einparteienregime unter der Herrschaft der Partei der Bolschewiki, die Anfang März 1918 auf dem ersten Parteitag nach der Oktoberrevolution in Kommunistische Partei Russlands (KPR) umbenannt worden war.
1925 bekam sie unter Stalin den Namen Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU). Nach der Auflösung der Sowjetunion 1990 wurde die KPdSU in die Kommunistische Partei Russlands (KPRF) überführt. Die Kommunistische Partei Russlands übt damit seit über 100 Jahren die alleinige Macht in Russland aus.

Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk hatte im Übrigen nicht lange Gültigkeit, denn er wurde durch den Versailler Vertrag im Januar 1919 wieder aufgehoben. Der vermeintlich „schlechte“ Frieden nutzte Lenin. Mit dem Frieden nach außen konnte sich die Diktatur der Bolschewiki den inneren Feinden der Revolution zuwenden und diese bis 1922 weitgehend ausschalten.

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