Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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KZ-Gedenkstätte "Unter den Eichen"

Das Lager „Unter den Eichen“ entstand im März 1944 als Außenkommando des SS-Sonderlagers Hinzert bei Hermeskeil (Hunsrück). Seine Häftlinge waren zumeist Angehörige des luxemburgischen Widerstandes. Die Wiesbadener SS benötigte sie, um einige Bauvorhaben auf einem Kundgebungsgelände am nördlichen Stadtrand zu realisieren. Dort sollte ein Barackenkomplex mit Ausweichstellen für die SS entstehen.

Die maximal etwa 100 KZ-Häftlinge wurden im Lager selbst durch Polizei bewacht. Die SS setzte sie auch zu Bombenräumkommandos ein und „verlieh“ sie als billige Arbeitskräfte an Wiesbadener Handwerksbetriebe. Einen Befehlsbunker, den die Gefangenen am heutigen Carl-von-Ibell-Weg errichtet hatten, durften diese selbst auch bei Gefahr nicht betreten. Lediglich Splittergräben waren zu ihrem Schutz notdürftig ausgehoben worden. Bei einem Luftangriff im Dezember 1944 trafen das Lager einige Bomben, denen sechs Luxemburger zum Opfer fielen.

Luxemburger Häftlinge im KZ-Außenkommando
„Unter den Eichen“ in Wiesbaden.
Aufgenommen mit einer illegal ins Lager
geschmuggelten Kamera, 1944.
Bild: Stadtarchiv Wiesbaden,
digitales Multimediaarchiv Foto-Nr. 014470.

Die übrigen Gefangenen überlebten ihre Haftzeit. Dies verdankten sie vor allem ihrer Solidarität untereinander, aber auch den – im Vergleich zu Hinzert – „gelockerten“ Haftbedingungen des Außenkommandos. Auch Hilfeleistungen aus der Bevölkerung wurden den Häftlingen verschiedentlich zuteil. Am 23. März 1945 wurde das Lager in Richtung Frankfurt evakuiert. Einigen Häftlingen gelang zuvor die Flucht. Sie hielten sich bis zur Befreiung bei einzelnen Wiesbadener Privatleuten versteckt. Die übrigen führte ein gefährlicher, mehrtägiger Marsch zwischen den Fronten in die Nähe von Friedberg, wo der Trupp vom zuständigen Kommandoführer Polizeileutnant Hertert  aufgelöst wurde und die Häftlinge endlich befreit waren.

Im Jahr 1974 wiesen ehemalige luxemburgische Häftlinge während eines Besuchs in der hessischen Landeshauptstadt ihre Gastgeber auf das frühere KZ-Außenkommando hin. Daraufhin wurde damit begonnen, die Geschichte des Lagers zu erforschen. 1987 beschloss der Magistrat die Errichtung der Gedenkstätte „Unter den Eichen“ auf dem Gelände der Taunus-Film-GmbH. Die Einweihung erfolgte am 9. November 1991.

In der Ausstellung

Ort der Gedenkstätte ist jener Schutzbunker, den die Häftlinge für die SS hatten bauen müssen. Insgesamt 17 Ausstellungstafeln informieren über folgende Schwerpunkte: Vorgeschichte des Geländes unter anderem als Kundgebungsplatz der Nazis; die Rolle der SS im NS-Staat sowie Wiesbadens im SS-Herrschaftsimperium; Verfolgung und Widerstand in Luxemburg; das System der NS-Konzentrationslager sowie das SS-Sonderlager Hinzert im Hunsrück; das Außenkommando „Unter den Eichen“; die Lebensbedingungen der Häftlinge, ihr Arbeitseinsatz, Kontakte zur Wiesbadener Bevölkerung, Evakuierung, Flucht und Befreiung.

Die zwar am authentischen Ort, doch etwas abseits am nördlichen Stadtrand befindliche Gedenkstätte ist mit dem Bus (Endhaltestelle „Unter den Eichen“ der Linie 3, Endhaltestelle „Nordfriedhof“ der Linie 6) oder mit dem Auto zu erreichen. Der Carl-von-Ibell-Weg zweigt unterhalb des Taunus-Film-Geländes von der Straße „Unter den Eichen“ ab.

Absprachen hinsichtlich Gruppenführungen sind mit dem Stadtarchiv zu treffen, das auch weitere Informationen bereit hält.

Ausstellungsraum
Führung in der KZ-Außenstelle ca. 2007

Publikation / Flyer

Maul , Bärbel / Ulrich, Axel: Das Wiesbadener-Außenkommando „Unter den Eichen“ des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert. Red.: Renate Knigge-Tesche. Hrsg.: Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Kulturamt - Stadtarchiv. 8. aktual. u. Aufl. Wiesbaden 2014.

Ein Flyer ist beim Stadtarchiv kostenlos erhältlich.

Informationen

Geöffnet ist die Gedenkstätte von 1. Mai bis 31. Oktober samstags von 14 bis 16 Uhr. Gruppenführungen nach Vereinbarung. Von November bis April ist die Gedenkstätte geschlossen. Gruppenführungen sind während dieser Monate jedoch möglich. Eintritt und Führungen frei. Kostenlose Broschüre auf Anfrage

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.