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Grebenhain

Muna-Museum Grebenhain

 

 

Mitten im ländlichen Vogelsberg, im Oberwald bei Grebenhain, bestand von 1936 bis 1945 die sogenannte Luftmunitionsanstalt Hartmannshain. 

Die rund 370 sogenannte Munitionsanstalten (jeweils abgekürzt als Muna) wurden zwischen 1933 und 1945 im Deutschen Reich sowie in den deutsch besetzten Gebieten Europas von den Teilstreitkräften der Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Marine) gebaut und betrieben. Ihre Hauptaufgabe war die Fertigstellung von im Kriegseinsatz verwendungsfähiger Munition aus den von der Rüstungsindustrie angelieferten scharfen und unscharfen Bestandteilen. Sie bildeten damit einen wichtigen Bestandteil der Aufrüstung, Kriegsvorbereitung und Kriegsführung durch das nationalsozialistische Regime.

Im April 1936 begannen im Oberwald, rund zwei Kilometer westlich der Ortschaft Grebenhain bzw. nördlich des Dorfes Bermuthshain die Bauarbeiten für eine Munitionsanstalt der Luftwaffe. Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes waren - wie bei allen Munitionsanstalten - das ausgedehnte Waldgelände, das eine Tarnung gegen feindliche Luftaufklärung versprach, und die in der Nähe vorbeiführende Eisenbahnstrecke zum Transport von Munition und Munitionsteilen. Die Gesamtfläche betrug rund 176 Hektar.

Wie alle Munitionsanstalten der Wehrmacht war die Luftmunitionsanstalt Hartmannshain in vier verschiedene Funktionsbereiche gegliedert. Im Wohngebiet befanden sich die Wohnhäuser für die leitenden Offiziere und die im Umgang mit der Munition geschulten „Feuerwerker“. Zum Verwaltungsgebiet gehörten das Verwaltungsgebäude, die Kasernen, das Kasino und die Werkstätten sowie Fahrzeuggaragen. Das eigentliche „Herz“ der Muna war das Arbeitsgebiet mit den Munitionsarbeitshäusern. Hier fanden die eigentlichen Munitionsarbeiten wie das Bezündern von Bomben und die Verpackung in Munitionskisten statt. Den größten Teil der Muna nahm das Lagergebiet mit rund 120 oberirdisch errichteten Bunkern ein, Hier lagerten die fertige Munition und die Munitionsteile.

Bis zu 800 Menschen arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges in der Muna - die wenigsten davon aus freiem Willen. Zu den rund 20 Angehörigen der Luftwaffe kam noch eine Wachmannschaft. Das zivile Personal  bestand bis 1943 aus sogenannten Dienstverpflichteten, die aufgrund eines im Herbst 1938 erlassenen Reichsgesetzes zur Arbeit in der „Muna“ verpflichtet wurden. Die meisten von ihnen kamen aus der Umgebung der Muna. Viele der Dienstverpflichteten waren ältere Männer und vor allem Frauen.

Ab Anfang Juli 1943 mussten in der Muna auch ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen die gefährliche Arbeit verrichten. Es handelte sich dabei hauptsächlich um rund 110 junge Frauen und Mädchen aus der nordöstlichen Ukraine. Sie mussten unter anderem Splitterbomben mit Zündern versehen und in Abwurfbehälter einsetzen. Dabei kam es 1944 zu einer Explosion mit drei Toten. Neben den jungen Ukrainerinnen mussten ab 1944 auch italienische „Militär-Internierte“ in der Muna Zwangsarbeit leisten. Untergebracht waren die Zwangsarbeiterinnen in einem Barackenlager in Bermuthshain.

Nach Kriegsende dienten die verwaisten Arbeitshäuser und Hallen zivilen Firmen und Industriebetrieben als Produktionsstätten. Vor allem Heimatvertriebene und Flüchtlinge schufen sich dort neue Erwerbsmöglichkeiten. Durch die bis heute bestehende Nutzung des ehemaligen Arbeitsbereiches der Munitionsanstalt als Gewerbegebiet wandelte sich das vor 1936 überwiegend durch Landwirtschaft und Kleinhandwerk geprägte Dorf Grebenhain zu einer Industriegemeinde. Zwischen 1982 und 1991 wurde außerdem ein kleiner Teil der Fläche durch die Anlage eines NATP-Versorgungslagers nochmals militärisch genutzt.

Mit dem Ziel, die Geschichte der Luftmunitionsanstalt Hartmannshain in ihrer Gesamtheit aufzuarbeiten und zu vermitteln, bildete sich Ende 2004 der Arbeitskreis Muna Grebenhain. Auf seine Initiative hin entstand als Erinnerungs-, Gedenk- und Mahnstätte und als historischer Lernort das Muna-Museum Grebenhain, welches am 8. Mai 2011 eröffnet wurde. Es befindet sich in der 1829/30 erbauten „Alten Schule“ im Ortsteil Bermuthshain, wo sich 1943 bis 1945 das „Ostarbeiterlager“ befunden hatte. Aus den Reihen des Arbeitskreises entstand 2013 der Förderverein MUNA-Museum Grebenhain.

In der Dauerausstellung im Muna-Museum Grebenhain werden die Geschichte der „Luftmunitionsanstalt Hartmannshain“ 1936 bis 1945, ihre Rolle in der Rüstung und Kriegführung, der „Arbeitsalltag“ in der Munitionsanstalt und der „Arbeitseinsatz“ der vorwiegend ukrainischen Zwangsarbeitskräfte anhand von Schautafeln, Bildern, Filmen und Exponaten thematisiert. Ein Teil der Dauerausstellung ist außerdem der vielfältigen Nutzung des Geländes der Munitionsanstalt von 1945 bis heute gewidmet. Zum Muna-Museum Grebenhain gehören weiterhin ein Archiv mit Präsenzbibliothek sowie ein Mehrzweckraum, der für Wechselausstellungen, Vorträge und andere Veranstaltungen genutzt werden kann

Der Förderverein bietet jährlich zwischen April und Oktober einmal im Monat eine öffentliche Führung durch das ehemalige Gelände der Munitionsanstalt im Oberwald an. Für geschlossene Gruppe wie z. B. Vereine und Schulklassen sind auf Anfrage jederzeit eigene Führungen durch die frühere Muna an einem selbst gewählten Termin ganzjährig möglich.

Führung Muna-Museum
Innenansicht Muna-Museum

Informationen

Muna-Museum Grebenhain:

Eintritt 3,00 € (Gruppe 2,00 €), ermäßigt 2,00 € (Gruppe 1,50).

 

Gruppenführung „Muna“-Gelände:

Dauer etwa 3 Stunden, min. 8 – max. 30 Teilnehmer (Anmeldung erforderlich). Teilnahmegebühr 8,00 € pro Teilnehmer, ermäßigt 4,00 € pro Teilnehmer. Der etwaige Besuch im Muna-Museum Grebenhain ist in der Gebühr mit inbegriffen.

Ermäßigte Personen sind Jugendliche bis 18 Jahre und Schüler sowie Menschen mit Schwerbehindertenausweis. Kinder, die sich im Vorschulalter befinden, sowie Begleitpersonen von Menschen mit Schwerbehindertenausweis sind frei.

Gruppen unter 8 Personen zahlen bei Geländeführungen eine Pauschale von 60,00 EUR für alle Teilnehmer.

Informationsblätter über die ehemalige Munitionsanstalt und das Museum sind kostenlos erhältlich.

Standort

Muna-Museum Grebenhain
An der Alten Schule 7
36355 Grebenhain

Träger und Anschrift

Förderverein MUNA-Museum Grebenhain e. V.
Bergweg 17
36355 Grebenhain
Telefon: +49 (0) 66 44 1471
Fax: +49 (0) 66 44 9627-22
E-Mail: info@muna-grebenhain.de
Internet: www.muna-grebenhain.de

Leitung

Carsten Eigner M. A.

Öffnungszeiten

Samstags 14.00 bis 17.00 Uhr
Sonntags 10.00 bis 17.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.