Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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Judaica im Stadtmuseum Hofgeismar

Kurzbeschreibung

Die Abteilung Judaica im Stadtmuseum Hofgeismar besteht seit 1983. Ihre ständige Ausstellung thematisiert jüdisches Leben und Kultur in der Region einerseits und die Verfolgung und Vernichtung in der NS-Zeit andererseits. Lokalgeschichtliche Forschung und museumspädagogische Angebote haben die Abteilung heute zu einer gefragten Bildungseinrichtung gemacht.

Träger/Initiative

Magistrat der Stadt Hofgeismar. Die Arbeit des Stadtmuseums wird gefördert durch den Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde e.V.

Ziele

Dauerausstellung: 1470 wurden Juden in Hofgeismar erstmals urkundlich erwähnt.
Die hier lebenden Juden gehörten zur Gesamtgemeinde aller Juden in der Landgrafschaft Hessen-Kassel und unterstanden dem Landrabbiner, der seinen Amts- und Wohnsitz seit 1772 in der Residenzstadt Kassel hatte.
Auf etwa 110 qm findet der Besucher nach einer allgemeinen Einführung in das Thema zwei thematische Schwerpunkte. Der erste Raum beschäftigt sich mit »jüdischem Leben« im privaten, öffentlichen, beruflichen und religiösen Bereich. Religionsgeschichtliche Aspekte werden ebenso behandelt wie sozial-geschichtliche.
Der zweite Raum erinnert mit ausgewählten Exponaten und einer Liste der 453 namentlich sicher bekannten jüdischen Opfer des Holocaust aus dem heutigen Landkreis Kassel an die Verfolgung und Vernichtung jüdischer Kultur und jüdischen Lebens im Dritten Reich. Ein Archiv sowie ein Bibliotheks- und Arbeitsraum zur jüdischen Kultur und Geschichte ermöglichen weitergehende Studien und Nachforschungen.
Der jüdische Friedhof Hofgeismar: Der jüdische Friedhof in Hofgeismar mit seinen 125 noch vorhandenen Grabsteinen ist ein Ort, der an die 500 Jahre währende Geschichte der jüdischen Gemeinde Hofgeismars erinnert, der Zeugnis über die Zerstörungen der NS-Zeit ablegt und darüberhinaus mit den Gräbern der jüdischen Displaced Persons ein Kapitel Nachkriegsgeschichte der Stadt Hofgeismars dokumentiert. Der Friedhofsbesucher findet ein Handbuch mit Lageplan vor, dass ihm alle heute vorhandenen Grabinschriften erschließt. Ein Gedenkstein von 2013 trägt die Namen der Menschen, deren Grabsteine von den Nazis zerstört wurden. Der Schlüssel für das Friedhofstor, der Lageplan und das Handbuch für Friedhofsbesucher können an der Pforte des benachbarten Krankenhauses abgeholt werden.
Die Stolpersteine: 21 Stolpersteine an 10 unterschiedlichen Standorten in Hofgeismar werden in die Arbeit der Museumsmitarbeiter einbezogen. (Siehe Angebote)

Angebote

Dauerausstellung:
Neben 1 ½ -stündigen Führungen für Erwachsene werden Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen  besondere Führungen angeboten. Im Dialog mit den Schülern werden sowohl religiöse Aspekte als auch die Geschichte der jüdischen Bürger Hofgeismars und der Region thematisiert. Ein eigens entwickeltes Arbeitsheft ermöglicht es Schülern der Grundschule und Mittelstufe, selber aktiv forschend thematische Schwerpunkte zu erarbeiten. Schüler ab der 9. Klasse können anhand von Quellenmappen mit ausgewählten Dokumenten und mithilfe eines Zeitungsarchivs eigene Erkenntnisse über die NS-Stadtgeschichte und über individuelle Lebenswege der Juden gewinnen.

Schüler-Projekte:
Ein begleitendes Jahresprogramm bietet Projekte für Schulklassen an.
Dazu gehören u.a. Projekte wie „Die Tora“, „Sabbath“ und die jüdischen Feiertage „Purim“, „Pessach“ oder „Chanukka“.
Das Buchprojekt „In meiner Tasche“ (Opal Verlag Kassel) thematisiert  Ausgrenzung und Verfolgung und die Rettung von jüdischen Kindern aus Nazi-Deutschland durch die „Kindertransporte“ nach England. Kinder der 4. Klasse befassen sich mit dem Schicksal zweier Hofgeismarer Kinder und der 7-jährigen Dorrith Oppenheim aus Kassel, die allein ins rettende Ausland geschickt wurden.

Der jüdische Friedhof:
Die Mitarbeiter der jüdischen Abteilung bieten eine ca. 2-stündige Gruppenführung über den jüdischen Friedhof Hofgeismar an.
Die Erkundung des jüdischen Friedhofs wird  darüber hinaus als mehrtägiges Projekt Grundschülern der 4. Klasse angeboten. Dazu wurde ein besonderes Arbeitsheft entwickelt. Schüler ab der 8. Klasse haben die Möglichkeit, unter Anleitung der Museumsmitarbeiter selbstständige Feldforschung zu betreiben. In Kleingruppen erarbeiten sie sich religiöse und geschichtliche Zusammenhänge.

Stolpersteine:
Stadtführungen zu den 10 Stationen der 21 Hofgeismarer „Stolpersteine“ informieren nicht nur über den Leidensweg der Hofgeismarer Juden, sondern auch über ihr Leben vor 1933 in ihrer Heimatstadt.

Standorte

Dauerausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar:
Petriplatz 2
34369 Hofgeismar
Telefon: 05671 - 4791

Jüdischer Friedhof: Schanzenweg, 34369 Hofgeismar

Internet

www.museum-hofgeismar.de
museum@stadt-hofgeismar.de

Publikationen (Auswahl)
Helmut Burmeister/Michael Dorhs (Hrsg.): Suchet der Stadt Bestes. Die jüdische Gemeinde Hofgeismars zwischen Assimilation und Untergang.

Helmut Burmeister/Michael Dorhs: Vertraut werden mit Fremdem. Zeugnisse jüdischer
Kultur im Stadtmuseum Hofgeismar

Helmut Burmeister/Michael Dorhs (Hrsg.): „Das achte Licht. Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in Nordhessen.

Julia Drinnenberg: Stätten der Erinnerung – Gedächtnis einer Stadt. Die Opfer des Nationalsozialismus in Hofgeismar.

Chaim/Imek Segal: Chaim heißt Leben. Ein jüdisches Schicksal in Boryslaw und ein Neuanfang in Hofgeismar. Redaktion: Julia Drinnenberg.

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.