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Ehemalige Landsynagoge Heubach

Ehemalige Landsynagoge Heubach

Von 1841 bis 1844 plante und erbaute die jüdische Gemeinde das für die damalige Zeit große und repräsentative Gebäude in der Ortsmitte als ihr Gemeindezentrum. Es beheimatete den Bet- und Versammlungsraum, die Schule, die Lehrerwohnung und eine Mikwe. Bis etwa 1866 wurden die jüdischen Kinder hier in allen Fächern unterrichtet, später besuchten sie die allgemeine Grundschule nebenan und erhielten in der Synagoge nur noch den Religionsunterricht. In der Blütezeit der Gemeinde um 1890 lebten in Heubach 97 jüdische Menschen, etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Sie nahmen an allen Belangen des Dorflebens teil, waren Mitglieder in den örtlichen Vereinen, wirkten in den dörflichen Gremien mit und beteiligten sich auch an der Einrichtung einer Schwesternstation.

Nach der Jahrhundertwende begannen viele Familien, in größere Städte umzuziehen: nach Fulda, Schlüchtern und Frankfurt, nach Würzburg, Dortmund und Berlin. Wegen der abnehmenden Kinderzahl wurde die jüdische Schule bereits 1924 aufgehoben, der Betsaal diente der Gemeinde weiterhin als Synagoge bis etwa Ende der 1920er Jahre. Bereits zu Beginn der 1930er Jahre, noch vor der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, fanden nur noch unregelmäßig Gottesdienste statt. Als während der NS-Zeit die verbliebenen jüdischen Familien in größere Städte zogen, verkaufte der letzte Vorsteher, Simon Goldschmidt, das Gebäude 1937 an die Gemeinde Heubach.

In der Shoah wurden 41 Männer und Frauen umgebracht, die in Heubach geboren wurden. An sie erinnert ein Gedenkbuch, das in der ehemaligen Synagoge ausliegt. Nach 1937 wurde das Haus umgebaut und bis zur Gebietsreform 1972 als Rathaus mit Wohneinheiten genutzt. Seit 2003 wurde das Gebäude aufwendig saniert, restauriert und 2006 als Kultur- und Begegnungsstätte der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Heute zeigt es rare Spuren und Fragmente des ehemals weit verbreiteten hessischen Landjudentums in der ehemaligen Synagoge, im rituellen Bad, in der Lehrerwohnung und im Schulraum.

Der Förderverein Landsynagoge Heubach e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, interessierten Gruppen und Einzelpersonen die Geschichte der jüdischen Gemeinde Heubach mittels Führungen durch das Gebäude zu erschließen. Für Grundschulkinder (4. Klasse) besteht die Möglichkeit, über Stationenarbeit wichtige Einrichtungsgegenstände einer Synagoge kennen zu lernen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir, durch Vorträge, Lesungen, musikalische und kulturelle Veranstaltungen eine breite Öffentlichkeit anzusprechen. Nach Bedarf werden auch Seminare mit anderen Bildungsträgern, z.B. in der Lehrerfortbildung, der Propstei Johannesberg (Fortbildung in der Denkmalpflege) und dem Predigerseminar Hofgeismar durchgeführt.

Frühzeitige Terminvereinbarungen mit Herrn Zimmermann sind erwünscht, da die ehemalige Synagoge ausschließlich ehrenamtlich betreut wird.

Informationen

Besichtigung nach Vereinbarung. Eintritt für Einzelpersonen frei, um Spenden wird gebeten. Gruppenführung 20,- EUR. Informationsfaltblatt kostenlos erhältlich.

Standort

Ehemalige Landsynagoge Heubach
Friedensstraße 9
36148 Kalbach - Heubach

Träger

Gemeinde Kalbach
Hauptstr. 12
36148 Kalbach-Mittelkalbach
Tel. +49 (0) 6655 9654-0

Anschrift

Förderverein Landsynagoge Heubach
Johanna Rau, Vorsitzende
Am alten Feld 33
34537 Bad Wildungen
Telefon: +49 (0) 5621 3234
E-Mail: Johanna.Rau@ekkw.de

Ansprechpartner

Hartmut Zimmermann
Telefon: +49 (0) 661 40 23 82
E-Mail: info@synagoge-heubach.de
Internet: http://www.synagoge-heubach.de

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.