Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Breitenau

Gedenkstätte Breitenau

Die Gedenkstätte aus der Luft

Die Gedenkstätte, 15 km südlich von Kassel direkt an der Autobahn (Abfahrt Guxhagen) gelegen, wurde 1984 eröffnet. Sie befindet sich in der ehemaligen Zehntscheune eines im 12. Jahrhundert gegründeten Benediktinerklosters, welches später eine wechselvolle Geschichte erfuhr. Die Nutzung des Areals zu Lagerzwecken während der NS-Zeit wurde 1979 im Verlauf eines Forschungsvorhabens an der Universität Gesamthochschule Kassel wiederentdeckt. Umfangreiche Aktenbestände konnten so gesichert und für die Erforschung der Lagergeschichte genutzt werden.

In den Jahren 1933/34 war hier zunächst ein frühes Konzentrationslager für politische „Schutzhaft“-Gefangene aus dem damals bis nach Hanau reichenden Regierungsbezirk Kassel eingerichtet. Nachweislich 470 politische Gegner des Regimes – Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, aber auch aus antisemitischen Motiven Inhaftierte – saßen in dieser ersten Lagerzeit in Breitenau ein. Ziel war es, sie durch Schikanen und Misshandlungen dem Regime gefügig zu machen.

1938 im Zuge der Novemberpogrome vorübergehend Inhaftierungsort für jüdische Bürger aus Guxhagen und Umgebung, wurde Breitenau von 1940 bis 1945 „Arbeitserziehungs-“ und Konzentrationssammellager der Gestapostellen Kassel und Weimar. Vorwiegend ausländische Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen, welche sich dem Arbeitseinsatz widersetzt oder gegen eine der vielen NS-Bestimmungen verstoßen hatten, wurden dort inhaftiert, jedoch auch deutsche Gestapo-Gefangene, unter ihnen wiederum etliche jüdische Menschen. Etwa 1.800 der über 8.000 Gefangenen wurden von Breitenau aus in verschiedene andere Konzentrationslager deportiert.

In der Ausstellung

Die von dem Kasseler Künstler Stephan von Borstel 1992 neu gestaltete Dauerausstellung versucht eine im Gedenkstättenbereich außergewöhnliche Verbindung von künstlerischer Gestaltung und historischer Darstellung. Sie soll die Besucherinnen und Besucher dazu anregen, sich über die Beschäftigung mit der NS-Zeit hinaus auch mit aktuellen Fragen von Humanität und Toleranz auseinanderzusetzen.

Die Gedenkstätte verfügt über eine umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Medienangebote, ein Archiv mit ca. 3.000 Individualakten ehemaliger „Schutzhaft“- Gefangener, den erhaltenen Aufnahmebüchern, einer größeren Sammlung von Dokumenten und Fotos ehemaliger Zwangsarbeitskräfte aus der nordhessischen Region sowie mit etlichen Zeitzeugenberichten.

Mit ihrem facettenreichen Veranstaltungsangebot aus Lesungen, Zeitzeugengesprächen, Vorträgen, Filmabenden und Sonderausstellungen hat sich die Gedenkstätte Breitenau im Laufe ihres Bestehens zu einem Zentrum politischer Kultur in der Region entwickelt (Programm kann angefordert werden).

Über dieses an einen breiten Interessetenkreis gerichtete Angebot hinaus verfolgt die Gedenkstätte eine intensive pädagogische, auch an einzelne Zielgruppen gerichtete Aufklärungsarbeit zur Geschichte Breitenaus in der NS-Zeit. Dazu gehören: Führungen; Studienvor- und -nachmittage für Schulklassen und andere Besuchergruppen auch unter spezifischen Aspekten (z. B.: frühes KZ, Arbeitserziehungslager, verschiedene Häftlingsgruppen) sowie zur Geschichte Kassels und der nordhessischen Region in der NS-Zeit; Lehrerfortbildungen; Unterstützung bei Spurensicherungsprojekten und Forschungsarbeiten. Eine umfangreiche Material- und Dokumentensammlung, in der sich historische Bezüge in sämtliche nordhessischen Kreise und nach Thüringen aufzeigen lassen, steht für Interessenten bereit. Frühzeitige Terminabsprachen sind erforderlich, besondere Themenwünsche werden gern berücksichtigt.

Publikationsauswahl

Borstel, Stephan von; Krause-Vilmar, Dietfrid: breitenau 1933 – 1945. bilder, texte, dokumente – images, texts, documents. Kassel 2008 (kassel university press).
Es handelt sich um einen erweiterten Ausstellungskatalog in deutscher und englischer Sprache.

Krause-Vilmar, Dietfrid: Das Konzentrationslager Breitenau. Ein staatliches Schutzhaftlager 1933/ 34. Hrsg.: Fachbereich Erziehungswissenschaft / Humanwissenschaften der Universität Gesamthochschule Kassel. 2. durchges. Auflage, Marburg 2000 (Nationalsozialismus in Nordhessen – Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, H. 18).

Richter, Gunnar (Hrsg.): Breitenau. Zur Geschichte eines nationalsozialistischen Konzentrations- und Arbeitserziehungslagers. Kassel 1993.

Richter, Gunnar (Red.): Die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen bei Kassel. Ein Leseheft. 2. überarb. u. erg. Aufl. Kassel (Selbstverlag) 2002 (zum Preis von 1,50 € zzgl. Porto über die Gedenkstätte zu bestellen).

Richter, Gunnar: Das Arbeitserziehungslager Breitenau (1940-1945). Ein Beitrag zum nationalsozialistischen Lagersystem. Straflager, Haftstätte und KZ-Durchgangslager der Gestapostelle Kassel für Gefangene aus Hessen und Thüringen. Hrsg.: Fachbereich Erziehungswissenschaft / Humanwissenschaften der Universität Kassel. Kassel 2009 (Nationalsozialismus in Nordhessen – Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, Bd. 22).

Ergänzende Informationen zur Nutzung Breitenaus über die NS-Lagerzeit hinaus bietet:

Ayaß, Wolfgang: Das Arbeitshaus Breitenau. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, Zuhälter und Fürsorgeempfänger in der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau (1874 – 1949). Hrsg.: Gesamthochschule Kassel, Fachbereich 1 und Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. Kassel 1992 (Nationalsozialismus in Nordhessen – Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, H. 14 und Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde, H. 23).

Informationen

Eintritt und Führungen frei. Für Gruppen telefonische Anmeldung erforderlich. Informationsfaltblatt kostenlos erhältlich.

Anschrift

Gedenkstätte Breitenau
Brückenstraße 12
34302 Guxhagen
Telefon: +49 (0) 56 65 35 33
Fax: +49 (0) 56 65 17 27
E-Mail: gedenkstaette-breitenau@t-online.de
Internet: www.gedenkstaette-breitenau.de

Leitung

Dr. Gunnar Richter

Träger

Verein zur Förderung der Gedenkstätte und des Archivs Breitenau e.V.

Der Verein gibt einen jährlich erscheinenden Rundbrief für seine Mitglieder heraus, der über neue Forschungsergebnisse sowie Aktivitäten der Gedenkstätte berichtet.

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 9.00 – 13.00 Uhr und 14.00 – 16.00 Uhr
Sonntag 13.00 – 17.00 Uhr
(Führungen für Einzelbesucher 14.30 Uhr)
Samstag und Feiertage geschlossen

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/III bearbeitet.