Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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Hessen

Hessens verkehrsgünstige geographische Lage in der Mitte Deutschlands und Europas machen es zu einem nationalen und internationalen Verkehrsknotenpunkt. Seine Wirtschaftskraft weist Hessen eine Schlüsselfunktion für das Zusammenwachsen und die künftige ökonomische Entwicklung des geeinten Deutschland zu. Diese wachsende Bedeutung Hessens im Konzert der deutschen Bundesländer vollzieht sich vor dem Hintergrund einer Renaissance des Föderalismus in Europa. Das Zusammenwachsen Europas und die Überwindung nationalstaatlicher Strukturen werden von den Bürgerinnen und Bürgern jedoch nicht nur mit Hoffnung und Zuversicht beobachtet, sie lösen auch Sorgen und Ängste aus. Viele Menschen sind verunsichert und desorientiert, viele suchen nach Selbstvergewisserung und einer neuen Identität. Wo die Nationalstaaten diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können, stehen die einzelnen Regionen und Bundesländer vor besonderen Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund ist die Darstellung des Landes Hessen und seiner Geschichte ein wichtiges Arbeitsfeld politischer Bildung.

In den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zur Landeskunde stellt die Hessische Landeszentrale für politische Bildung Ursprung, Geschichte und Aufbau des Landes Hessen sowie die Institutionen der hessischen Demokratie. Ziel ist es, bei Bürgerinnen und Bürgern ein vertiefendes Verständnis für die politische Kultur und die historisch kulturellen Wurzeln unseres Bundeslandes zu wecken, um wachsenden Identitätsverlusten und politischer Desorientierung entgegenzuwirken.

Landeskunde vermittelt im Rahmen der politischen Bildung grundlegende Informationen über unser Bundesland (Staatssymbolik, Geographie, Bevölkerungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsstruktur etc.). Sie bringt die politische Kultur des Bundeslandes zur Anschauung und stellt dabei vor allem die Verfassung als normativen Rahmen, als institutionelles und wertmäßiges Fundament des politischen Lebens in den Mittelpunkt Sie will ferner die Kenntnisse über die demokratischen Institutionen (z.B. Landtag, Landesregierung, Landesverwaltung, Gerichte) vermehren. Denn das Wissen über die Wurzeln und den Aufbau der Institutionen, auf denen unser Staat beruht, und die Kenntnis der Funktionsweisen von Legislative, Exekutive und Judikative stärken staatspolitisches Bewusstsein und geben Einblick in die Mechanismen einer föderalen Demokratie.

Landeskunde muss jedoch vor allem die historischen Ursprünge des Bundeslandes darstellen und ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Regionalgeschichte. Gerade in diesem Bereich der historischen Landeskunde hat die Hessische Landeszentrale für politische Bildung besondere Schwerpunkte gesetzt:

An erster Stelle steht dabei der Versuch, Landesidentität durch die Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Entwicklung des Bundeslandes zu fördern. Das ist gerade im Falle Hessens nicht einfach, speist sich doch gesamthessisches Geschichtsbewusstsein aus der Historie der einzelnen Territorien, aus denen sich unser heutiges Bundesland konstituiert. Denn Hessen ist ohne direkten Vorgängerstaat und kann - anders als Bayern - nicht an ein geschlossenes Territorium anknüpfen. Was noch im 19. Jahrhundert in das Kurfürstentum Hessen (Kassel), das Großherzogtum Hessen (Darmstadt), die Landgrafschaft Hessen-Homburg, das Herzogtum Nassau, die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main, das Fürstentum Waldeck, preußische und bayerische Gebietsteile zerfiel, wuchs erst nach 1945 zu einem Staatsgebilde zusammen, in dem die Bedingungen seiner Entstehung - etwa in den Brüchen zwischen Nord- und Südhessen - bis heute fortwirken. Wie sich aus dieser Vielfalt das Bundesland Hessen zu einer Einheit entwickelte und seinen Weg in die Bundesrepublik Deutschland fand, ist aus Sicht der politischen Bildung eines der Hauptthemen der historischen Landeskunde. Hinzu kommen die Territorialgeschichte der einzelnen Vorgängerstaaten und die politische Kultur der verschiedenen Regionen des heutigen Hessen, in denen lokales Geschichtsbewusstsein und Heimatgefühl gepflegt werden.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf den demokratischen, liberalen und sozialen Traditionen, die sich im Gebiet des heutigen Hessen entwickelt haben. Das gilt etwa für die Rechts- und Verfassungsentwicklung in Hessen, die unser Bundesland als Vorreiter des deutschen Konstitutionalismus ausweist und das staatliche Leben in Deutschland ebenso wie die Entwicklung eines demokratischen Rechtsstaates maßgeblich beeinflusst hat. Das gilt ebenso für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Hessen. Das gilt schließlich für die Pflege des Freiheitsgedankens als Teil unserer politischen Kultur und die Erinnerung an die verpassten Chancen unserer nationalen Vergangenheit, für die die Revolution von 1848/49 beispielhaft genannt sei.

Ein dritter Themenschwerpunkt historischer Landeskunde wird zunehmend die Kultur-, Geistes- und Ideengeschichte unserer Region, die stärker noch als die äußeren Ereignisse die Mentalitäten und Denkweisen der Menschen geprägt haben. Die Landeszentrale für politische Bildung hat dabei vor allem mit einem biographischen Ansatz positive Erfahrungen gemacht: Anhand exemplarisch ausgewählter hessischer Lebensläufe und Persönlichkeiten will sie in Seminaren, Vortragsreihen und Publikationen neue Perspektiven der Landeskunde eröffnen. Politische Bildung orientiert sich dabei am Auftrag des Artikels 56 der Hessischen Verfassung, bei der Darstellung der Geschichte "die großen Wohltäter der Menschheit, die Entwicklung von Staat, Wirtschaft, Zivilisation und Kultur" in den Vordergrund zu stellen.

Hessische Kommunalverfassung

Autor: Ministerialrat Ulrich Dreßler (HMdIS)

 Kommentar zur Hessischen Kommunalverfassung (PDF, 407 KB)

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 1/Direktor bearbeitet.