Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
HLZ Gebäude

It’s the Planet, Stupid! Sieben Perspektiven zum Klimawandel

Anja Paumen und Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper im Gespräch über den Klimawandel unter der Moderation von Hans Jessen am 20. April 2017 an der Evangelischen Hochschule Darmstadt.

Hans Jessen im Gespräch mit Anja Paumen und Prof. Küpper

Darmstadt, 20. April 2017 – Die stellvertretende Präsidentin der Hochschule, Frau Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke, begrüßte die rund 130 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Aula der Evangelischen Hochschule Darmstadt zu diesem hochschulöffentlichen Vortrag in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Als Gasthörer hieß Frau Prof. Kubon-Gilke auch Klaus Wiegandt, Vorstand der Stiftung Forum für Verantwortung, willkommen.

Der frühere ARD-Fernsehkorrespondent Hans Jessen nahm nach den einleitenden Worten den Gesprächsfaden auf und gab zu Beginn Klaus Wiegandt die Möglichkeit, sich und seine Stiftungsarbeit kurz vorzustellen.

Anschließend stieg Hans Jessen ins Gespräch mit den beiden Autoren von „It’s the Planet, Stupid!“ – Anja Paumen und Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper – ein. Anja Paumen erläuterte ihre Intention mit dem ersten Teil des Bandes. Darin erhalten die Leser zunächst „grundsätzliche Informationen zum Thema Klimawandel“ zum besseren Verständnis. Beispielsweise wird hier der Unterschied zwischen dem natürlichen und dem anthropogenen (vom Menschen verursachten) Treibhauseffekt erläutert. Das Problem sei der anthropogene Treibhauseffekt, der zum Klimawandel führe, wie Prof. Küpper ergänzte. Er wies darauf hin, dass erst durch die Industrialisierung ab Mitte des 18. Jahrhunderts und der zunehmenden Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas der Gehalt von Kohlendioxid in der Atmosphäre deutlich zugenommen habe und damit die Erderwärmung anheize.

Hans Jessen wollte im weiteren Fortgang des Gesprächs von den beiden Autoren wissen, wie es zur Auswahl der sieben Interviewpartner im zweiten Kapitel des Buches kam. Anja Paumen erklärte, dass es ihnen besonders darum ging, den Lesern „unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Klimawandel an die Hand zu geben“. Prof. Küpper betonte, dass man deswegen bewusst Vertreter aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen wie Wirtschaftswissenschaften (Prof. Dr. Hans-Werner Sinn und Prof. Dr. Mathias Binswanger), Physik (Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker), Soziologie (Prof. Dr. Meinhard Miegel) oder Anthropologie (Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel) berücksichtigen wollte.

Jeder Interviewte meinte, dass „Lösungsansätze und Erkenntnisse in ihren jeweiligen wissenschaftlichen Bereichen zu finden“ seien, so Anja Paumen weiter. Prof. Sinn beispielsweise halte nichts von der Subventionspolitik für erneuerbare Energien, sondern meint, dass man in einer öko-sozialen Marktwirtschaft auf Verknappung und Schonung der Ressourcen setzen und über Preise und Steuern die Verantwortlichen für die Umweltschäden zur Kasse bitten sollte. Ähnlich argumentiert auch Prof. Weizsäcker, der durch Verteuerung der Energien deren Effizienz erhöhen und damit die Menschen in die Pflicht nehmen möchte, mit knappen Ressourcen umgehen zu lernen.

Der Tenor bei den Interviewten sei, wie Anja Paumen weiter erklärte, dass eine Steuerung der Wirtschaft als notwendig erachtet werde.

Blick ins Publikum in der Aula

Nach den Erläuterungen der beiden Autoren bezog Hans Jessen das Publikum ein, das nun Gelegenheit hatte, Fragen zu stellen.

Eine Frage zielte beispielsweise auf die verschiedenen wissenschaftlichen Sprachen, Disziplinen und Kategorisierungen, die eher zu Verwirrung und Missverständlichkeit führen würden bei der wissenschaftlichen Untersuchung und Erklärung des Klimawandels. Prof. Küpper meinte dazu, dass hier „eine Sprachverbindung zwischen den Wissenschaften“ dringend notwendig sei.

Beim Stichwort Konsummaterialisten kam die Frage auf, wie man diese erreichen könnte, um deren Konsumdenken zu verändern. Wichtig sei es, so Anja Paumen, denjenigen „Werte zu vermitteln, die es sich leisten können, auf etwas zu verzichten“. Und sie appellierte an das Publikum, „auf die Straße zu gehen, zu diskutieren, zu debattieren, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun“. Das käme auch bei der Politik an, wie Hans Jessen dazu ergänzte und fügte hinzu, dass man „rund 2 Prozent der Bevölkerung brauche, um einen Umdenkungsprozess in der Gesellschaft in Gang zu setzen“.

Um dem Klimawandel zu begegnen, sei eine internationale Zusammenarbeit absolut geboten. Paris war ein großer Schritt nach vorne. Jedes Land sei hier gefragt und gefordert. „Die EU sei hierbei ein ganz wichtiges Organ“, wie Prof. Küpper hervorhob.

Zum Abschluss hatte Klaus Wiegandt die Gelegenheit, auf die Gefahren des Klimawandels und die Erderwärmung ab Mitte des Jahrhunderts hinzuweisen. Diese Entwicklungen könnten jedoch noch rechtzeitig aufgehalten werden, so Klaus Wiegandt weiter, durch die sogenannten Waldoptionen. Wissenschaftler sprächen von einem Zeitfenster von 10 bis 15 Jahren, in dem die Waldmaßnahmen dazu beitragen könnten, den Klimawandel abzumildern. Notwendig wäre zum einen, das Abholzen der Regenwälder ab sofort zu stoppen und zum anderen, ein weltweites Aufforstungsprogramm anzustoßen. Dazu müssten jedes Jahr von der Staatengemeinschaft rund 200 Milliarden Euro für die Aufforstungsprogramme sowie zusätzlich Ausgleichszahlungen an die Länder mit Regenwäldern bereitgestellt werden.

„It’s the Planet, Stupid!“ von Anja Paumen und Jan-Heiner Küpper kann bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung bestellt werden.