Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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Veranstaltungen

Understanding Gender - Vom Einfluss von Genen und Hormonen auf unser physisches und psychisches Geschlecht

Nadine Hornig (Universität Kiel)
Zu Beginn der menschlichen Embryonalentwicklung hat jede*r die Möglichkeit, sich weiblich oder männlich zu entwickeln – bis drei Faktoren ins Spiel kommen, die unser Geschlecht bestimmen: die Geschlechtschromosomen, die Tatsache ob sich die früh angelegten Keimdrüsen in Eierstöcke oder Hoden ausbilden und Sexualhormone, insbesondere Testosteron. Das Zusammenspiel dieser Faktoren resultiert in einem individuellen körperlichen und psychischen Geschlecht, welches von komplett weiblich über intermediäre Stufen bis zu komplett männlich gehen kann. Veränderungen in wichtigen Faktoren dieses Zusammenspieles können das Gleichgewicht in die jeweils andere Richtung der Geschlechtsentwicklung verschieben. Gleichzeitig geben diese Veränderungen wichtige Hinweise zum besseren Verständnis relevanter Einflussfaktoren des körperlichen sowie psychischen Geschlechts.
Ort:
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
PEG-Gebäude, 1.G 191
60629 Frankfurt am Main
Datum:
26.04.2017, 18 - 20h c.t.

Hat Religion ein Geschlecht? Eine umstrittene Analysekategorie und ihre Auswirkungen

Regina Ammicht Quinn (Universität Tübingen)
Im christlich-religiösen Kontext, insbesondere in katholischen Kontexten, ist „Gender“ ein Angst- und Schimpfwort. Warum aber ist dies so? Und was hat Conchita Wurst mit der religiösen Deutung der Geschlechter zu tun? Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche „Grammatik” der Geschlechter im Christentum historisch entworfen wurde, wie diese „Grammatik“ bis heute weiter wirkt und warum „Gender“ vor allem von den Vertreter*innen der Institution mit großer Aufregung und einem guten Anteil an Dämonisierung diskutiert wird. Dabei werden die heutigen aufgeregten und abwehrenden Diskurse mit frömmigkeitsgeschichtlichen Denkformen und Ikonografien konfrontiert; hier wird deutlich, dass das Christentum nicht eine ordentliche und eindeutige, sondern eine breite und unordentliche Geschlechter-Geschichte hat. Die Herstellung von Eindeutigkeit und Ordnung ist dabei immer mit Gewalt verbunden. Zugleich aber stellt diese christliche Gender-Geschichte Ressourcen zur Verfügung, die wiederum für heutige Debatten relevant gemacht werden können.
Ort:
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
PEG-Gebäude, 1.G 191
60629 Frankfurt am Main
Datum:
10.05.2017, 18 - 20h c.t.

Gender als Skandal? Zum neuen Antigenderismus: Diskurse und Akteure

Ilse Lenz (Ruhr-Universität Bochum)
Gender ist zur umkämpften Kategorie geworden. In Wissenschaft und Gleichstellungspolitik stehen Genderansätze dafür, dass die Menschen nicht biologisch auf bestimmte Geschlechterrollen und –normen festgelegt sind, sondern Geschlecht sozial gestaltet und ausgehandelt wird. Doch Rechtspopulist*innen und Antifeminist*innen skandalisieren Gender wahlweise als Ideologie, Perversion oder Wahnsinn. Es folgen Rufe nach Abschaffung und Kontrolle. In diesen Politiken von Grenzziehungen durch Gefühle wird Gender zum Symbol von Ausgrenzung und Abwertung. Diesen Widersprüchen soll nachgegangen werden: Die Ablehnung individueller Freiheitsräume mit dem Verweis auf die Biologie insbesondere bei sexueller Vielfalt oder Selbstbestimmung. Die Tradition als Wunschbild für die deutsche Frau und Familie und als Schreckbild im Fall von Migrant*innen. Die Abschaffung der wissenschaftlichen Genderreflektion unter dem Motto der Freiheit der Wissenschaft. Worauf laufen diese Diskurse und Politiken hinaus?
Ort:
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
PEG-Gebäude, 1.G 191
60629 Frankfurt am Main
Datum:
17.05.2017, 18 - 20h c.t.

Sexualpädagogik im Kreuzfeuer einer reaktionären Medienkampagne

Stefan Timmermanns (Frankfurt University of Applied Sciences)
Rechtspopulistische Strömungen positionieren sich seit Anfang 2014 lautstark und intensiv gegen sexuelle und reproduktive Rechte. Eines der Angriffsziele ist die ganzheitliche Sexualpädagogik. Mit der Behauptung, sie schade Kindern und Jugendlichen, werden Eltern und Lehrende verunsichert. Oft richtet sich die Kritik explizit gegen die Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in pädagogischen Kontexten. Die Kritik wird häufig verknüpft mit der Bekämpfung von „Gender“, das als Kofferwort für eine Reihe von abstrusen Vorwürfen gegen jegliche Bemühungen für einen reflektierten Umgang mit Geschlechterrollen steht. Organisationen und Personen, die sich für das Recht auf sexuelle Bildung einsetzen, werden diffamiert. Im Vortrag wird dargelegt, welche Vorwürfe gegenüber der Sexualpädagogik erhoben werden, welche Haltung und welche Netzwerke dahinter stecken.
Ort:
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
PEG-Gebäude, 1.G 191
60629 Frankfurt am Main
Datum:
14.06.2017, 18 - 20h c.t.

Gender und Medien: Zum Zwischenstand einer Debatte

Kathrin Peters (Universität der Künste Berlin)
Wenn von „den Medien“ die Rede ist, dann oft, um ihnen verkürzte, einseitige oder ideologische Darstellung vorzuhalten. Wie immer diese Vorhaltungen motiviert sind und begründet werden, wie treffend oder strittig sie sein mögen, sie sind getragen von der Annahme, dass durch Mediendarstellungen Wahrnehmungen und Bedeutungen erzeugt werden. Durchaus in diesem Sinne fragen feministische Kritik und Gender Studies seit Jahrzehnten: Wo und wie sind Geschlechtervorstellungen in Medien wirksam? Und umgekehrt, wie strukturieren Medien Geschlechtervorstellungen? Letztere Frage führt dabei auf einen Begriff von Medien, der sich nicht nur darauf bezieht, wie Geschlechterbilder massenmedial verbreitet und stabilisiert werden. Es ist auch gemeint, dass Apparate, Medientechniken und Mediengebrauch selbst geschlechtlich und sexuell konnotiert sein können und dass diese Techniken und Gebrauchsweisen an den Veränderungen von Geschlechter- und sexuellen Verhältnissen beteiligt sind – das lässt sich vom frühen Film bis zu digitalen Verabredungskulturen nachvollziehen. Der Vortrag zeichnet die Wechselbeziehung von Gender und Medien an verschiedenen aktuellen Szenarien nach, fragt nach emanzipativer Politik und untersucht schließlich die Identitätspolitiken und Medien der Anti-Gender-Diskurse.
Ort:
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
PEG-Gebäude, 1.G 191
60629 Frankfurt am Main
Datum:
28.06.2017, 18 - 20h c.t.

Gegen den Hass oder: Die Ordnung der Reinheit

Carolin Emcke (Berlin)
In dem gegenwärtigen Diskurs um „Gender“ tauchen alle jene ideologischen Elemente und Motive auf, die die Logik der Reinheit ausmachen sollen. Es ist das Hybride, das Ambivlante, das Plurale, das ausgesondert werden soll. Nicht allein in dem Feld von Gendernormen, von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ wird Reinheit zur ordnungspolitischen Kategorie, sondern auch im nationalistischen, rassistischen, antisemitischen Diskurs um die Nation und die Religion. Wie lässt sich diesem Fetischismus der Reinheit begegnen? Mit welchen politischen, pädagogischen, aber auch ästhetischen und künstlerischen Praktiken lässt sich Widerstand formulieren?
Ort:
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend
Casino Festsaal (Raum 823)
60629 Frankfurt am Main
Datum:
05.07.2017, 18 - 20h c.t.