Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Pressestimmen

Bericht aus dem Wiesbadener Tagblatt vom 26. April 2007

Scharfe Schülerfragen an Landespolitiker

140 Jugendliche fühlen Parteispitzen im hessischen Landtag auf den Zahn / Arbeitsgruppen und Diskussion

Von
Daniel Honsack

Es ging um Medienkompetenz und Medienethik. Sperrige Worte, hinter denen aber eine Menge Fragen steckten, die jetzt von rund 140 Jugendlichen aus ganz Hessen gestellt werden konnten. Adressaten waren hochrangige Politiker aus dem Landtag, die sich beim ersten "Tag der Politik" acht Stunden lang mit den Anliegen ihrer jungen Gäste befassten.

"Klärt Euer Informationsziel", riet Medienprofi Thomas Leif den Jugendlichen im Musiksaal des Landtags bevor er sie auf die Fraktionsvorsitzenden ansetzte. "Und wenn die Antwort nicht zufriedenstellend ist, fragt nach", empfahl der Mann vom Südwestrundfunk weiter. "Das erhöht den Blutdruck der Politiker", plauderte er bereitwillig aus dem Nähkästchen. Seinen Ratschlag, jede Scheu beiseite zu lassen, hätte er aber wohl getrost weglassen können, denn kaum hatten die Fraktionschefs Platz genommen, hagelte es bereits Fragen. "Je konkreter die Frage, desto klarer die Antwort", konnte Leif noch rechtzeitig vorher anraten.

Fragen hatten die Oberstufenschüler eine Menge. Daher wurden vorher noch spontan einige Themenblöcke ausgemacht, um die kostbare Stunde zu strukturieren. "Politikinszenierung in der Mediengesellschaft" hieß dieser Veranstaltungsteil eigentlich. Aber die Fragen zielten weniger auf diese Meta-Ebene ab, sondern wurden schnell sehr konkret. "Wie schaffen es die Vorsitzenden, ihre Fraktionen auf Linie zu bringen?" oder "Warum wächst die hessische Wirtschaft so langsam?", lauteten die Fragen der Schüler.

Wichtig war natürlich auch die Bildungspolitik. Gleich zu Beginn mussten die politischen Lager ihre Haltung zu den Schulformen erklären. Und die könnte kontroverser kaum sein. Andrea Ypsilanti von der SPD setzt sich dafür ein, "dass alle Kinder möglichst lange zusammen lernen können" und regt Lerngruppen an, um das Problem der großen Klassen in den Griff zu bekommen. CDU-Mann Christean Wagner schwört hingegen auf ein "begabungsgerechtes Schulwesen" schon ab der fünften Klasse. Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/ Grüne) setzte zum internationalen Vergleich an.

30 Schulklassen waren angeschrieben worden, davon gab es über 20 Rückmeldungen, berichtet Jürgen Kerwer von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die den Tag organisiert hat. Bei der Auswahl wurde schließlich auf eine ausgewogene Nord-Süd-Mischung geachtet. Beim "Tag der Politik" konnten die interessierten Schüler auch ganz praktisch an unterschiedlichen Beispielen lernen, wie Politiker versuchen, ihre Inhalte an die Öffentlichkeit zu bringen - Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit PR-Instrumenten von der Presse-Erklärung über den Newsletter bis hin zum Internetauftritt der Fraktionen und politischen Institutionen.

In seinem Vortrag "Politik aus dem Netz! - Ein Ausweg aus der Politikverdrossenheit?", hatte der Medienspezialist Professor Jürgen Grimm von der Universität Wien seine Thesen über Parteien- und Staatsverdrossenheit, den zunehmenden Hang zur Skandalisierung in der Medienberichterstattung und die Möglichkeiten des Internets vorgestellt.

Die Wiedergabe dieses Artikels erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Verlagsgruppe Rhein Main Media GmbH & Co. KG

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