Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Eine Qualitätsmarke der Moderne feiert:
100. Jahrestag Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar

Das Bauhaus gilt mehr denn je als eine Qualitätsmarke der Moderne. Überall wird das Bauhaus mit seinen Errungenschaften, Arbeiten und Entwürfen als Urquell der modernen Architektur und des modernen Designs gefeiert. Doch wo Bauhaus draufsteht, ist keineswegs ein einheitliches Baukastensystem dahinter. Oft wird verdrängt, dass das Bauhaus gar keinen einheitlichen Bauhausstil hervorgebracht hat, sondern ganz verschiedene Stilformen von den drei Direktoren gelehrt wurden und vieles mit dem Bauhaus in Verbindung gebracht wurde und wird, was eigentlich gar nichts mit dem Bauhaus zu tun hat.

Das „Staatliche Bauhaus“ wurde am 12. April 1919 in Weimar gegründet und ging aus der von Henry van de Velde 1907 eröffneten Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und der 1915 aufgelösten Kunstgewerbeschule Weimar hervor. Erster Bauhausdirektor war Walter Gropius. Das Bauhaus führte als Kunstschule unter Gropius Kunst und Handwerk zusammen und setzte als einzige Schule in Deutschland dies tatsächlich auch um. Die Kunst sollte sich von der Industrialisierung emanzipieren und das Kunsthandwerk neu beleben. Ziel war es, die Architektur mit den anderen Künsten zu einem gemeinsamen Kunstwerk zu verbinden wie es im Gründungsmanifest von 1919 heißt. Deshalb war das Bauhaus von Walter Gropius auch als Arbeitsgemeinschaft angelegt worden, in der Künstler (Formmeister) und Handwerker (Werkmeister) gleichberechtigt waren und am Bauhaus gemeinsam lehrten. Zu den Form- und Werkmeistern zählten z.B. Lyonel Feininger, Johannes Itten, László Moholy-Nagy, Marianne Brandt, Oskar Schlemmer, Ida Kerkovius, Max Bill, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Gunta Stölzl, Gerhard Marcks oder Marcel Breuer.

Von 1919 bis 1921 schwang der expressionistische Pathos im Bauhaus mit, als man ausrief, am Aufbau einer neuen Welt mit modernen Menschen mitwirken zu wollen. Ab 1921/22 setzte sich das Bauhaus mit der Industrieproduktion auseinander, um Kunst und Technik zu einer Einheit zusammenzuführen. Dies blieb auch bis 1928 (1925 war das Bauhaus nach Dessau umgezogen) die Leitlinie am Bauhaus. In dieser Zeit entwickelte sich ein Internationaler Stil. Man suchte in Farbe und Form nach Wiedererkennbarkeit.

Der Nachfolger von Walter Gropius, Hannes Meyer, wendete sich in seiner Zeit als Direktor in Dessau gegen den bisherigen Bauhausstil unter Gropius und vertrat einen strengen funktionalistischen alltagstauglichen Stil weg vom luxusorientierten. Meyer galt als Kommunist und wurde vor allem von den Nationalsozialisten unter Beschuss genommen. Er musste 1930 zurücktreten. Ludwig Mies van der Rohe setzte dann als letzter Direktor (1930 bis 1933 in Weimar und Berlin) auf einen ästhetisierenden Stil. Nach der Schließung des Bauhaus 1933 arbeitete er unter den Nationalsozialisten weiter und erhielt z.B. auch einen Auftrag von Goebbels zur Weltausstellung 1935 für den Deutschen Pavillon. Schließlich verließ er 1937 Deutschland.

Der Einfluss des Bauhauses war und ist so bedeutend, dass umgangssprachlich der Begriff Bauhaus oft auch mit der Moderne in Architektur und Design gleichgesetzt wird. Dieser sogenannte Bauhausstil – klare geometrische und funktionale Formen mit weißem Anstrich – wurde vor allem durch das Wirken und Arbeiten von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe in den USA geprägt. Diesen propagierten einheitlichen Bauhausstil gab es allerdings nicht. Die Arbeiten und Entwürfe von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schüler in der Zeit des Bauhauses müssen stattdessen als Teil von länderübergreifenden und internationalen Strömungen und Entwicklungen gesehen und Kunstrichtungen wie Funktionalismus, Neue Sachlichkeit, Internationaler Stil oder Neues Bauen zugeordnet werden.

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