Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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100. Jahrestag Eröffnung der Pariser Friedenskonferenz

„Wenn es so etwas wie einen direkten Weg zur UNO gab, dann wurde dieser mit dem Gründungswillen eines Völkerbundes 1919 beschritten. Man kann hier quasi von der Geburtsstunde einer systematisierten multilateralen Zusammenarbeit auf politischer Ebene sprechen,“ so Dr. Jehn, Direktor der HLZ.

Am 3. November bzw. 11 November 1918 waren die Kampfhandlungen Österreich-Ungarns mit Italien bzw. Deutschlands mit Frankreich und Großbritannien mit Waffenstillständen beendet worden.

Am 18. Januar 1919 begann die Pariser Friedenskonferenz im Spiegelsaal von Versailles unter dem Vorsitz des französischen Ministerpräsidenten Clemenceau mit dem Ziel, den Ersten Weltkrieg mit einem Friedenschluss zu beenden. Im Mittelpunkt standen Regelungen in Territorialfragen und bei den Reparationen. Zudem stand u.a. die Gründung des Völkerbundes auf der Agenda der Gespräche.

An der sogenannten interalliierten Vorkonferenz, die von Januar bis Mai 1919 tagte, nahmen insgesamt 32 Staaten teil. Maßgeblich bei der Erstellung der Friedensverträge waren vor allem Frankreich, Großbritannien, Italien und die USA. Die Mittelmächte und die Nachfolgestaaten von Österreich-Ungarn waren ausgeschlossen, ebenso Russland. Erst ab Mai, nach Beendigung der interalliierten Vorkonferenz, wurden Friedensverhandlungen mit den Mittelmächten und den Nachfolgestaaten von Österreich-Ungarn geführt.

In den ersten Wochen konzentrierten sich die Verhandlungen auf die Satzung des neu zu gründenden Völkerbunds unter der Leitung des US-Präsidenten Woodrow Wilson. Außerdem wurde über die Verteilung der deutschen Kolonien sowie die Grenzfragen auf dem Balkan verhandelt. Im zweiten Teil der Konferenz konzentrierten sich die Beratungen auf die Friedensbedingungen für Deutschland, außerdem Ostmitteleuropa und die Gebietsgewinne Italiens. 

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das Wilson in seinem 14-Punkte-Programm verankert hatte, wurde jedoch, wie z.B. im Falle Südtirols oder in den neu entstandenen Nationalstaaten Osteuropas, nicht berücksichtigt. Auch mit seinen Vorstellungen zur Freiheit der Meere konnte sich Wilson in Paris nicht durchsetzen. Die Gespräche zwischen den Alliierten wurden dadurch spürbar belastet. Schließlich führte dies dazu, dass die USA später den Friedensvertrag von Versailles nicht ratifizierten. 

Die Friedensverhandlungen mit Deutschland endeten schließlich im Versailler Vertrag, der am 28. Juni 1919 von der deutschen Delegation unter Protest unterzeichnet wurde und am 10. Januar 1920 in Kraft trat. Am 10. September 1919 wurden Verträge der Alliierten mit Österreich in St. Germain, am 27. November 1919 mit Bulgarien in Neuilly, am 4. Juni 1920 Trianon mit Ungarn und am 10. August 1920 in Sèvres mit dem Osmanischen Reich unterzeichnet.

Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung bietet zum Thema folgende Publikationen an: