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100. Geburtstag Helmut Schmidt

Am 23. Dezember 2018 wäre Helmut Schmidt 100 Jahre alt geworden.

„Wer nicht redet, wird nicht gehört.“ Dieser Satz von Helmut Schmidt charakterisierte seine Haltung, sich zu Wort zu melden, wenn es aus seiner Sicht wichtig war, Stellung zu beziehen und seine Meinung zu vertreten. Nicht umsonst war seine „Schmidt-Schnauze“ gefürchtet, auch in der eigenen Partei.

Helmut Schmidt zählt zu den bedeutendsten Politikern der Bundesrepublik Deutschland. Als SPD-Politiker, Publizist und Vordenker hat er die deutsche Politik nachhaltig geprägt. In schwierigen Situationen, wie 1962 als Innensenator während der Hamburger Sturmflut oder als Bundeskanzler im Deutschen Herbst 1977, behielt Schmidt kühlen Kopf und erwarb sich damit den Ruf als Krisenmanager. Kontroversen Debatten ging er nicht aus dem Weg, den dies zählte für ihn zum wesentlichen Kern unserer Demokratie. Im In- und Ausland genoss er höchstes Ansehen. Helmut Schmidt erhielt zahlreiche Ehrungen, Preise und Auszeichnungen in aller Welt. 

Der 1918 in Hamburg geborene Schmidt begann seine politische Karriere im Hamburger Senat 1949 als Referent und später bis 1953 als Abteilungsleiter in der Behörde für Wirtschaft und Verkehr unter der Leitung von Karl Schiller. Von 1953 bis 1961 war er als SPD-Mitglied Abgeordneter im deutschen Bundestag und Mitglied in mehreren Ausschüssen (u.a. Wirtschaft, Verkehr, europäische Sicherheit). Nach der Wahlniederlage der SPD 1961 kehrte er nach Hamburg zurück und wurde zunächst Polizeisenator, danach Innensenator. Während der Sturmflut im Februar 1962 rettete er durch sein beherztes und schnelles Eingreifen vielen Menschen das Leben. 1965 kehrte er für die SPD in den Bundestag zurück. Nach der Bildung der Großen Koalition übernahm er den Fraktionsvorsitz von Fritz Erler. 1968 wurde er zum stellvertretenden SPD-Vorsitzenden gewählt. Nach dem Wahlsieg der SPD 1969 und der Bildung der ersten sozialliberalen Koalition wurde er unter der Kanzlerschaft von Willy Brandt Verteidigungsminister. Im zweiten Kabinett unter Willy Brandt übernahm er 1972 das Finanzministerium. Nach dem Rücktritt von Willy Brandt 1974 (Guillaume-Affäre) wurde er zum Bundeskanzler gewählt.

Der Terrorismus der RAF (Rote Armee Fraktion) war in seiner Zeit als Bundeskanzler eine stete Bedrohung und führte 1977 zur bis dahin schwersten innerpolitischen Krise der Bundesrepublik. Nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 und von Jürgen Ponto, dem Vorstandsprecher der Deutschen Bank, im Juli 1977 erlebte der RAF-Terror im September und Oktober desselben Jahres mit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyers und der Entführung und Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ seinen Höhepunkt. Schmidt ließ sich in dieser Situation von der RAF nicht erpressen und behielt seine konsequente Haltung bei.

Die Außenpolitik gestaltete er als Bundeskanzler aktiv mit. Er unterzeichnete 1975 die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit (KSZE) in Helsinki. Mit dem französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing initiierte er den ersten Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet 1975 und setzte mit ihm die Gründung des Europäischen Währungssystems um, als Grundlage für die spätere Einführung des Euro. Mit der Verabschiedung des NATO-Doppelbeschlusses 1979, der die Aufstellung von mit Atomsprengköpfen bestückten Raketen und Marschflugkörpern in Westeuropa als Reaktion auf SS-20 Raketen der Sowjetunion zur Folge hatte, musste sich Schmidt gegen starke Widerstände in der Gesellschaft und in der SPD durchsetzen. Als Reaktion auf den Beschluss fanden große Friedensdemonstrationen in Deutschland gegen die Nachrüstung statt, die bis Mitte der 80er Jahre anhielten. Widerstand erhielt Schmidt auch vonseiten der Umweltbewegung für seine Atompolitik.

1982 scheiterte die sozialliberale Koalition unter Kanzler Schmidt an unterschiedlichen Auffassungen zwischen den Regierungsparteien SPD und FDP in wirtschaftspolitischen Fragen.

Nach dem Ende seiner politischen Karriere wurde Helmut Schmidt 1983 Herausgeber der ZEIT. Mehr als 32 Jahre lang bereicherte er die Redaktion mit seinen Analysen, Kommentaren und Interviews zum aktuellen Weltgeschehen. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Bücher und schrieb für andere Zeitungen, Zeitschriften und Publikationen.

Mit seiner Frau Loki, mit der er 68 Jahre verheiratet war, lebte er in Hamburg und ging dort seinen kulturellen Neigungen in Kunst, Musik, Literatur und Philosophie nach. Am 10. November 2015 starb er in Hamburg.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung sind folgende Publikationen, die die Regierungszeiten von Helmut Schmidt behandeln, bestellbar: