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"Wächst die Seuchengefahr?"

Nach einer kurzen Einführung und Begrüßung durch HLZ-Referatsleiterin Angelika Röming begannen Professor Kaufmann und Moderator Manfred Ladwig die Geschichte und Typen von Seuchen der Vergangenheit bis in die heutige Gegenwart systematisch aufzuarbeiten.

Dabei erklärte Kaufmann Ursachen („Konflikte, Klima, Krisen“), welche den Ausbruch von Seuchen und Infektionskrankheiten deutlich begünstigen würden. Auch die Globalisierung nehme eine bedeutende Rolle in der Verbreitung von Krankheitserregern und Erkrankungen ein. Ebenfalls sei die industrielle Massentierhaltung ein nicht zu vernachlässigender Einflussfaktor aufgrund der hohen Antibiotika-Abgabe an diese Tiere.

Geschichtlich könne man drei Entwicklungswellen identifizieren: Vor Jahrtausenden Jahren habe es nur stammesinterne „Minipandemien“ gegeben, die sich nicht auf andere geographisch isolierte Gruppen hätten übertragen können. Durch die aufkommende Verstädterung seien dann jedoch neue Seuchenausbreitungen, wie man am Beispiel der Tuberkulose sehen könne, möglich geworden, bevor im 20. Jahrhundert mit HIV/Aids eine neue Art von Seuche zu identifizieren sei. Hieraus resultiert auch Kaufmanns Unterteilung zwischen Epidemien (sowohl zeitlich als auch örtlich begrenzt, z.B. BSE), Pandemien (zeitlich begrenzt, örtlich unbegrenzt, z.B. die Pest), und Seuchen, die weder zeitlich noch örtlich unbegrenzt sind, wie z.B. HIV oder Tuberkulose.

Eine weitere Möglichkeit der Unterscheidung stellte Kaufmann im Folgenden vor, indem er die verschiedenen Erreger und deren Vorgehensweise mit verschiedenen Kriegsbegriffen synonym setzte. Demnach führten Erreger wie z.B. Antrax eine chemisch-biologische Kriegsführung, da sie den Körper vergifteten. Eine Art des Blitzkrieges sei dagegen bei Erregern wie denen der Pest, der Grippe oder von Ebola festzustellen, da sie in kürzester Zeit den Körper angriffen und zerstören würden. Erreger wie Herpes und Tuberkulose könnten demgegenüber mit Grabenkriegern gleichgesetzt werden, da sie sehr lange im Körper wüten können. Einen Bürgerkrieg des Körpers und seines eigenen Immunsystems würden dagegen z.B. Streptokokken erzeugen, indem sie die körpereigene Autoimmunabwehr angriffen. Die gefährlichsten Erreger sind für Kaufmann allerdings die Erreger, die sich in körpereigenen Zellen „verstecken“ könnten und diese, unbehelligt vom Immunsystem, verändern würden. Als Bespiel für solchen „Guerilla-Kämpfer“ nannte er den HIV-Virus.

Bevor zum Ende der Veranstaltung Fragen aus dem Publikum beantwortet wurden, wies Kaufmann in seinem Fazit darauf hin, dass heutige Seuchen nicht zu vernachlässigen wären. Der Anteil an den jährlichen Todesfällen, die auf Atemwegserkrankungen, –infektionen und damit Seuchen jeglichen Typs zurückzuführen sei, dürfe nicht aus den Augen verloren werden.

Die oben vorgestellte Publikation „Wie schnell wächst die Seuchengefahr?“ kann genauso wie die übrigen zwölf Bände der Reihe „Forum für Nachhaltigkeit“ über das Publikationsverzeichnis der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung bezogen werden.

Impressionen der Buchvorstellung

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/V bearbeitet.