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Literatur und Politik: "Das Kartenhaus Weltfinanzsystem"

Nach der Begrüßung durch den HLZ-Referatsleiter Jürgen Kerwer begannen Doktor Solte und Moderator Manfred Ladwig die Hintergründe und Details der Weltwirtschaftskrise und den Zusammenbruch der Finanzbranche systematisch aufzuarbeiten. Solte stellte gleich zu Beginn seiner Ausführungen klar, dass „jedes Geld ein Kredit sei“. Das Volumen jährlich neuaufgenommener Kredite weltweit betrage das 7-fache der jährlichen Weltsparquote. In absoluten Zahlen entspräche dies einer Summe von ca. 200.000 Milliarden US-Dollar.

Dabei erklärte Solte dem interessierten Publikum auf sehr unterhaltsame und anschauliche Art und Weise die Zusammenhänge von Geld, Krediten, Banken, Zinsen, Inflation und Markt. Das derzeitige Weltfinanzsystem könne zum Beispiel als ein menschlicher Blutkreislauf mit unzähligen Verästelungen und Abzweigungen betrachtetet werden, die alle miteinander verknüpft seien. An anderer Stelle untermauerte Doktor Solte seine Erläuterungen zu der heutigen Schieflage der Weltwirtschaft mit Vergleichen zu den Weltwirtschaftskrisen der Vergangenheit, wie beispielsweise der Krise in den Jahren 1929 bis 1932/33. Außerdem ging er auf die Rolle und Macht der Zentralbanken ein und deren Möglichkeit, systemrelevante Industrien und Unternehmen in solchen Notsituation finanziell zu stärken. Durch diesen „Kreditgeber in letzter Instanz“ würde jedoch die Kollapsgefahr vom Markt auf die öffentliche Hand verlagert.

In seinem Ausblick betonte Solte, dass die derzeitige Krise auch als Chance für eine zukünftige Neuausrichtung des Finanzsystems weltweit gesehen werden müsste. Man könne nun zum Beispiel die einzelnen Ländernothilfen in einem globalen Fund sammeln und damit weit effektiver zukünftigen Krisen entgegentreten. Daneben könnten neue Umweltstandards, vereinheitlichte Arbeitsbedingungen, globale Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen oder sogar ein multilateraler Vertrag zwischen den großen Finanzmächten der Welt, dem bestimmte Standards zugrunde liegen könnten, nun initiiert werden. Es würden sich im Weiteren zu einem solchen Zeitpunkt auch grundlegende Reformen in den einzelnen Finanz- und Steuersysteme der betroffenen Länder sowie nachhaltige Maßnahmen zum Abbau der sogenannten „Finanzblase“, d.h. der weitweite Überschuldung mit nicht real-existierenden Mitteln, anbieten. Als letzten Punkt schlug Solte außerdem eine Begrenzung der Maximalreserven für Finanzinstitute vor, welche als Konsequenz mehr Mittel auf dem Markt bedeuten würde.

Impressionen der Veranstaltung

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/V bearbeitet.