Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Vortrag
Thomas Kielinger: Die Königin. Elisabeth I. und der Kampf um England

Wiesbaden, 28. März 2019 – Der Autor und Journalist, Thomas Kielinger, stellte an diesem Abend sein neuestes Buch „Die Königin. Elisabeth I. und der Kampf um England“ in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) vor. Begrüßt wurde er vor vollbesetzten Reihen von Dr. Alexander Jehn, Direktor der HLZ.

In seinen einleitenden Worten hob Thomas Kielinger hervor, dass Elisabeth I. mit ihrer Herrschaft und ihrer Rolle als Königin Frauen in der männlich dominierten Welt im 16. Jahrhundert einen neuen Weg geebnet habe und damit unterstrich, dass Frauen genauso gut wie Männer politische Verantwortung für ein Land übernehmen können.

Unter drei Gesichtspunkten beleuchtete Kielinger diese schillernde Persönlichkeit: Unter dem Aspekt der geografischen Lage des Landes (das Meer), der Frau als Herrscherin (ohne Mann) und der Religion.

Der Hundertjährige Krieg, der von 1337 bis 1453 zwischen England und Frankreich ausgefochten wurde, gleichzeitig aber auch ein innerfranzösischer Konflikt war, hatte zur Ausbildung eines Nationalbewusstseins und eines eigenen Staatswesens auf beiden Seiten geführt. England verlor im Zuge dessen sämtliche Besitzungen auf französischem Boden bis auf Calais. Auch dies trug letztendlich dazu bei, dass sich England in der Folgezeit vom europäischen Festland zurückzog. Heinrich VIII., der Vater von Elisabeth I., baute die englische Flotte in seiner Regierungszeit auf. Darauf konnte Elisabeth I. später nach der Amtsübernahme 1558 zurückgreifen.

Seit Mitte/Ende des 15. Jahrhunderts beherrschten Spanien und Portugal die Weltmeere. England folgte hier deutlich später, wie Kielinger betonte. Durch die Kaperfahrten der englischen Schiffe u.a. durch Francis Drake und dessen Weltumsegelung 1577-1580 erweiterte England seine seefahrerischen Fähigkeiten deutlich. Dies spielte bei der Niederlage der spanischen Armada vor der englischen Küste 1588 eine mitentscheidende Rolle.

Elisabeth I. verfolgte generell in ihrer Politik und im Besonderen in ihrem Konflikt mit Spanien das Ziel, England zu verteidigen und zu schützen. Ihre Strategie, so Kielinger weiter, sei defensiv ausgerichtet gewesen und nie expansiv. Sie wollte keine Erweiterung des Territoriums und stand damit oft im Gegensatz zu ihren Beratern am Hofe.

Elisabeth I. war klug, hochgebildet, philosophisch interessiert, sprach lateinisch und griechisch. Dank ihrer Bildung und ihrem Wissensschatz konnte sie sich in Verhandlungen und Gesprächen mit Männern problemlos behaupten. Sie musste sich allerdings permanent gegenüber der Männerwelt rechtfertigen, warum sie als Frau Anspruch auf den Thron habe. Zur damaligen Zeit war es eigentlich undenkbar und nicht mit der Natur in Einklang zu bringen, dass eine Frau über ein Land herrschte. Dazu kam noch, dass Elisabeth I. unverheiratet blieb. Allerdings war genau dies für sie ein ganz wesentlicher Punkt, denn ein Mann an ihrer Seite hätte ihre Macht spürbar eingeschränkt. 1559, ein Jahr nach dem Amtsantritt als Königin, erklärte sie zu ihrer Ehelosigkeit, dass sie mit dem Königreich England verheiratet sei. Elisabeth I. nutzte in den folgenden Jahren diese Situation gezielt aus und spielte mit den zahlreichen Verehrern aus ganz Europa. Letztendlich ging es ihr um die Sicherung des Friedens für ihr Land.

Die größte Herausforderung und Konkurrentin für Elisabeth I. in ihrer Regierungszeit war ihre Cousine, Maria Stuart. Diese wollte mit Hilfe Spaniens und zahlreichen katholischen Mitstreitern die Königin stürzen, was misslang. Elisabeth I. musste schließlich, nach zähem langem Ringen, das Todesurteil für Maria Stuart 1587 unterschreiben, wie Kielinger weiter erläuterte.

In punkto Religion wollte Elisabeth I. mit aller Macht Konflikte in England zwischen den Protestanten und Katholiken und damit einen Glaubenskrieg vermeiden. Für sie gab es nur einen Gott. Den Disput zwischen den beiden christlichen Lagern tat sie als Trivialitäten ab. Grundsätzlich war sie in Religionsfragen liberal, solange sich keine kriegerischen Entwicklungen daraus ableiteten.

Der in London lebende Kielinger resümierte, dass Elisabeth I. eine große Staatsfrau gewesen sei, die erfolgreich den Frieden für ihr Land gesichert und den Handel ausgeweitet habe. Eine territoriale Expansion Englands hatte sie nicht im Sinn. Diese entwickelte sich erst später im 17. und 18. Jahrhundert.

Mit großem Applaus wurde Thomas Kielinger von den Gästen, die sich anschließend das Buch vom Autor mitnehmen und signieren lassen konnten, verabschiedet.