Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Irland, Europa und doch kein Brexit?
S.E. Michael Collins, der Botschafter der Republik Irland in Deutschland im Gespräch im Rahmen der Europawoche 2018

Wiesbaden, 8. Mai 2018 – Auf Einladung der Europa-Union Deutschland sprach S.E. Michael Collins, der Botschafter der Republik Irland in Deutschland, in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung über die aktuelle Situation in Irland vor allem auch im Hinblick auf den Brexit. Moderiert wurde das Gespräch von Peter H. Niederelz vom Vorstand der Europa-Union Deutschland.

S.E. Michael Collins bei seinen Ausführungen

In seinen Ausführungen wies S.E. Michael Collins u.a. auf die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen seines Landes (trotz der Einbrüche 2008/2009) in den letzten Jahren und Jahrzehnten hin. Zum einen durch wachsende Exporte in den Bereichen Landwirtschaft, Pharmaindustrie oder Finanzwesen. Zum anderen auch durch Ansiedlung von großen Konzernen wie Apple oder Google in Irland, die für zahlreiche Arbeitsplätze sorgen.

Wichtig sei hierbei auch das Karfreitagsabkommen vom 10. April 1998 gewesen. An diesem Tag unterzeichneten Irland, Großbritannien und die Parteien Nordirlands ein Abkommen, das einen Schlussstrich unter die blutige Vergangenheit zog und den Weg für ein friedliches Miteinander zwischen Irland und Nordirland ebnete. Durch diese Übereinkunft wurde die Grenze zwischen beiden Ländern durchlässig und ist heutzutage kaum spürbar.

Mit dem Brexit jedoch, betonte S.E. Michael Collins, bestehe nun die Gefahr, dass die Errungenschaften der letzten 20 Jahre wieder in Frage gestellt werden. Irland möchte jedoch keine neuen alten Grenzen mehr und setze sich für eine Beibehaltung des Status Quo ein. Zudem erschwere der Brexit die Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien, dem wichtigsten Handelspartner Irlands.

Blick aus dem Publikum

Hinsichtlich der Beziehungen zu Deutschland erhoffe er sich einen noch intensiveren Austausch zwischen beiden Ländern auf verschiedensten Ebenen.

In der Europäischen Union fühle sich Irland mit seinen 4,5 Mio. Einwohner stark und gut aufgehoben. Für die Zukunft wünsche er sich, dass nicht nur viele Verhandlungen geführt, sondern auch mehr Entscheidungen getroffen werden.

Die anschließenden zahlreichen Fragen aus dem Publikum, die u.a. um wirtschaftliche, kulturelle, bildungspolitische oder finanzpolitische (die niedrige Steuerpolitik) Themen kreisten, beantwortete S.E. Michael Collins mit diplomatischem Geschick.

Zu guter Letzt stellte der Botschafter in Aussicht, ein Konsulat in Hessen einrichten zu wollen, in Frankfurt oder in Wiesbaden, das sei noch nicht geklärt.

Mit großem Applaus wurde S.E. Michael Collins verabschiedet, der danach noch für weitere Fragen und Gespräche zur Verfügung stand.

S.E. Michael Collins und Peter H. Niederelz im Dialog mit dem Publikum