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Literatur und Politik
Felix Ekardt: Kurzschluss. Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben

Wiesbaden, 24. Mai 2018 – Prof. Dr. Felix Ekardt, Jurist, Soziologe und Philosoph, gab an diesem Abend in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung einen Einblick in seine Publikation „Kurzschluss. Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben“. Die Moderation übernahm Peter Wagner, Leiter des ZDF-Landesstudio Hessen in Wiesbaden.

Begrüßung durch Jürgen Kerwer

Nach der Begrüßung durch Jürgen Kerwer, Programmverantwortlicher der Reihe „Literatur und Politik“, stellte Peter Wagner den Autor vor. Prof. Dr. Felix Ekardt leitet die Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin und ist gleichzeitig Professor für öffentliches Recht an der Universität Rostock. Ehrenamtlich ist er u.a. Landesvorsitzender des BUND Sachsen. Der Autor selbst ergänzte dazu, dass er sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit beschäftige und diese auch zu seinen Schwerpunktthemen zählen würden. Als Politikberater sieht Prof. Dr. Ekardt seine Aufgabe u.a. darin, innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen unserer repräsentativen Demokratie Instrumente für eine nachhaltige Politik zu entwickeln und dabei die wissenschaftlichen Erkenntnisse miteinzubeziehen.

Im Ausblick auf die Lektüre von „Kurschluss“ bilanzierte Peter Wagner, dass „das Buch keine einfachen Antworten gebe“ bei der Auseinandersetzung mit der Thematik „einfache Wahrheiten“. Auf die Frage des Moderators, wie er denn das Thema „Einfache Wahrheiten“ angegangen sei, antwortete Prof. Dr. Ekardt, dass ihm dabei drei Aspekte besonders wichtig erschienen. Zum einen wollte er – auch hinsichtlich des zunehmenden Rechtspopulismus in Europa – aufzeigen, dass es historisch betrachtet schon immer Herrscher oder Herrschaftssysteme gegeben habe, die mit „einfachen Wahrheiten“ ihre Machtbasis sicherten. Dies sei eher der „Normalzustand“ wie der Autor dazu konstatierte.
Der zweite Aspekt solle dem Leser deutlich machen, dass es nicht nur im Rechts- oder Linkspopulismus „einfache Wahrheiten“ gäbe, sondern genauso in vielen anderen Feldern. Als Beispiel griff der Autor die Klimadebatte in Deutschland auf, bei der von offizieller Seite aus behauptet würde, dass die Klimapolitik in Deutschland erfolgreich und vorbildlich sei. Dem widerspreche aber, dass Deutschland in vielen Bereichen (Kohlendioxid-Ausstoss, Thema Braunkohlekraftwerke, Feinstaubproblematik etc.) den Klimazielen oft weit hinterherhinke.

Prof. Dr. Felix Ekardt im Gespräch mit Peter Metzger

Beim dritten Aspekt habe er die menschlichen Motive beleuchtet. Was treibe den Menschen an? Was motiviere ihn? Welche Mechanismen laufen beim Menschen bei Entscheidungen ab? Bei einer Entscheidung, beispielsweise unter dem Umweltschutzgedanken ob ich mit dem Flugzeug in den Urlaub fliege oder nicht seien für den Menschen zum einen Fakten und Informationen wichtig. Weiterhin spielten bei den Überlegungen auch Normen eine besondere Rolle. Ausschlaggebend bei einer Entscheidung seien aber „Normalitätsvorstellungen“. D.h. wenn der Nachbar oder die Freunde auch gerne mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, könne er das auch tun und damit sein Gewissen beruhigen. Damit würden die Fakten ausgehebelt.

Letztendlich entscheiden „die Gefühle und der emotionale Kompass des Menschen“. Die Menschen würden bei ihren Entscheidungen negative Dinge verdrängen, denn der Mensch „habe in seiner Evolution gelernt, die Welt sich zu recht zulegen und sie dabei zu vereinfachen“. Es sei „zu tiefst menschlich, unterkomplexe Lösungen und Antworten, also einfache Wahrheiten zu wählen“, so Prof. Dr. Ekardt weiter.

Im Hinblick auf unser demokratisches System wollte Peter Wagner dann vom Autor wissen wie man diesen Gefahren der „einfachen Wahrheiten“ begegnen könne. Prof. Dr. Ekardt holte dazu etwas aus und betonte, dass „die Demokratie geschichtlich betrachtet eher die Ausnahme darstelle“. Das liege vor allem auch daran, dass Demokratie Komplexität bedeute auf allen Ebenen.

Hier hakte dann Peter Wagner gleich mit der Frage ein, ob der Mensch mit dieser Komplexität denn nicht überfordert sei? Der Autor antwortete darauf, dass genau hier die Gefahr bestehe. Der Mensch würde durch Fakten und Normen das Demokratische stützen, doch können Emotionen diese auch immer wieder überlagern.

Blick aus dem Publikum

Welche Vorteile habe denn die Demokratie gegenüber autokratischen Systemen, fügte der Moderator als weitere Frage an. Hier positionierte sich Prof. Dr. Ekardt eindeutig, indem er auf die „deutlich größeren Lösungspotentiale“ für Probleme verwies. Ein „gerechteres Gesellschaftsmodell sorge für Freiheiten, die Voraussetzung sei für einen Diskurs, um komplexere Probleme überhaupt lösen zu können.

Als Beispiel wie man in Europa den populistischen Tendenzen begegnen könne, nannte er die Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die Europäische Union und damit auch das demokratische Prinzip zu stärken.

Auf die letzte Frage von Peter Wagner, was man denn selbst tun könne, um die Demokratie zu stärken, ging Prof. Dr. Ekardt auf die Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb der repräsentativen Demokratie ein. Man könne sich vor Ort in Vereinen, Verbänden, Parteien oder Bürgerinitiativen engagieren und somit einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum kamen Fragen u.a. nach der Haltbarkeit der Demokratie unter US-Präsident Donald Trump oder, ob wir noch genügend Zeit hätten, die Demokratie zu retten, auf.

Prof. Dr. Ekardt betonte, dass offene Gesellschaften für die Menschen eine Herausforderung seien, aber eindeutige Vorteile gegenüber nicht-offenen Gesellschaften haben. Hinsichtlich der Populisten meinte er, dass man bei Diskussionen mit den Populisten die Frontstellung aufgeben und stattdessen die Vorzüge unserer Demokratie herausarbeiten solle.

Das Buch „Kurzschluss. Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben“ kann bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung hier bestellt werden.

Prof. Dr. Felix Ekardt und Peter Metzger im Austausch mit dem Publikum