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Literatur und Politik
Matthias Naß: Countdown in Korea

Wiesbaden, 27. September 2018 – Matthias Naß, ausgewiesener Asien-Experte, seit 1983 für die ZEIT journalistisch tätig und seit 2011 deren internationaler Korrespondent, stellte an diesem Abend in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung seine Publikation „Countdown in Korea“ vor. Die Moderation übernahm Dominik Lessmeister, Redakteur im ZDF-Landesstudio Hessen in Wiesbaden.  

Nach der Begrüßung durch Jürgen Kerwer, Programmverantwortlicher der Reihe „Literatur und Politik“, kam Dominik Lessmeister gleich auf die aktuellen Entwicklungen in Korea zu sprechen, die im Buch nicht berücksichtigt sind (der Band erschien 2017) und bat den Autor um seine Einschätzung. Matthias Naß sprach nach der Zuspitzung des Konflikts vor einem Jahr von einer Trendwende seit Anfang 2018. Diese begann aus seiner Sicht mit der Neujahrsansprache von Kim Jong-un, in der er moderatere Töne anschlug sowie den Olympischen Spielen in Südkorea, bei denen Nord- und Südkorea bei der Eröffnungsfeier gemeinsam als „Korea“ einliefen und eine gemeinsame Frauen-Eishockey-Mannschaft stellten. Trumps Rolle sei für ihn dabei jedoch sehr undurchsichtig, gerade auch was den Gipfel im Sommer anbelange. Der Autor betonte, dass Trump im Koreakonflikt keine Linie, keine Stringenz habe und nur eine „erratische Politik“ betreibe.

Jürgen Kerwer begrüßt die Gäste

Auf die Frage von Dominik Lessmeister, wie gefährlich Nordkorea sei, antwortete Matthias Naß eindeutig. Nordkorea sei sehr gefährlich bedingt durch den Besitz von atomaren Waffen. Diese atomare Ausrüstung der nordkoreanischen Armee sei für den Machthaber Kim Jong-un gleichzeitig wie ein Schutz und Legitimation zum eigenen Machterhalt, zum anderen aber auch als Abschreckung gegenüber den USA, Japan und Südkorea.
Nordkorea sei, so Matthias Naß weiter, eine Diktatur, ein brutales Regime, das die Bevölkerung unterdrücke und jegliche demokratischen Ansätze unterbinde. Beispielsweise gäbe es dort von der Außenwelt abgeschottete Arbeitslager mit bis 120.000 Menschen, die unter schlimmsten Bedingungen dort arbeiten und leben müssten.

Auf die Rolle Chinas in diesem Konflikt angesprochen, erläuterte der Asienexperte die besondere Bedeutung Chinas für Nordkorea. 90 Prozent des Handels werde mit China abgewickelt. Ohne China wäre Nordkorea nicht überlebensfähig. China beteilige sich zwar nun auch an Sanktionen gegen Nordkorea, wie Matthias Naß weiter fortführte, China habe aber kein Interesse am Zusammenbruch des Regimes, sondern unterstütze eher eine Stabilisierung des Landes allerdings ohne Atomwaffen.

Matthias Naß und Dominik Lessmeister im Gespräch

Dominik Lessmeister kam u.a. auch auf die Frage nach einer möglichen Wiedervereinigung zu sprechen. Hierzu meinte der Autor, dass es durchaus Parallelen zu Deutschland gäbe. Jedoch seien die Vorzeichen schon deutlich unterschiedlich. Zwischen Nord- und Südkorea gäbe es seit dem Ende des Koreakriegs Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts keinen Austausch zwischen den Ländern, es herrsche absolute Funkstille. Nordkorea habe sich zwar bewegt, hätte aber keinerlei Interesse an einer Wiedervereinigung unter demokratischen Vorzeichen. Südkorea sei generell an einer Entspannung der Situation interessiert, da die atomare Bedrohung durch Nordkorea allgegenwärtig sei. Man verfolge in Südkorea eine Politik der langsamen Annäherung ähnlich wie unter Brandt und Bahr in Deutschland (Wandel durch Annäherung). Allerdings gäbe es auch starke konservative Kräfte in der Opposition, die sich gegen eine Annäherung aussprechen würden.
Seiner Meinung nach könne es auch noch 30 Jahre bis zu einer Wiedervereinigung dauern. Wahrscheinlich sei eine Übernahme durch Südkorea. Aber auch ein föderales Konstrukt wäre denkbar.

Nach dem moderierten Gespräch drehten sich Fragen aus dem Publikum z.B. um das Thema gemeinsamer Nationalismus, den es gäbe nicht nur wegen der Sprache wie Matthias Naß hervorhob, um die Gefahr durch die Digitalisierung, hier verwies der Autor auf China, das die digitalen Kanäle wie kein anderes Land auf der Welt im Staatsinne kontrolliere und um eine quasi „Gauck-Behörde“ in Südkorea, die nicht existiere, allerdings würden NGOs Material sammeln und dokumentieren von Flüchtlingen wie der ZEIT-Korrespondent antwortete.

Blick auf das Publikum

Abschließend meinte Matthias Naß, man wisse nicht wie in Korea alles weiterginge. Dinge können sich auch anders entwickeln und seien nicht vorhersehbar. Es bliebe jedenfalls spannend.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann das Buch „Countdown in Korea“ hier bestellt werden.

Die Veranstaltung zum Nachhören