Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Literatur und Politik: It's the Planet, Stupid!

Anja Paumen, Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper und Prof. Dr. Hartmut Graßl im Gespräch über den Klimawandel, moderiert von Hans Jessen in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung am 7. Juli 2016 in der Reihe Literatur und Politik.

Wiesbaden, 7. Juli 2016 – Die Autoren von „It’s the Planet, Stupid!“ – Anja Paumen und Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper – standen dem früheren ARD- Fernsehkorrespondenten Hans Jessen in einer Art Werkstattgespräch zu Entstehung und Aufbau des Buches Rede und Antwort. Die Biologin und der Biologe wurden an diesem Abend von einem der bekanntesten Klimaforscher in Deutschland, Prof. Dr. Hartmut Graßl, Physiker und Meteorologe und selbst Interviewpartner der Autoren, bei der Einschätzung zum Klimawandel, den Perspektiven und den Handlungsempfehlungen dazu unterstützt.

Der Titel des Buches geht auf einen Slogan der Demokraten beim US-Präsidentschaftswahlkampf 1992 zurück. Aus dem „It’s the Economy, Stupid!“ formten die beiden Autoren ihren Buchtitel, was „keine Beschimpfung sein soll, sondern eher ein Manno“, wie Hans Jessen hier anmerkte.
Bei der Strukturierung und dem Aufbau des Buches war es den Autoren besonders wichtig, dem Leser im ersten Teil  zunächst „Basisinformationen zum Thema Klimawandel zum besseren Verständnis an die Hand zu geben“, wie Anja Paumen betonte. Hans Jessen hakte an dieser Stelle gleich ein und lobte die Einleitung, als „das Beste, was ich zur Einführung in die Thematik kenne.“ Beispielsweise wird darin der Unterschied zwischen dem natürlichen Treibhauseffekt und dem anthropogenen Treibhauseffekt, also dem vom Menschen verursachte, herausgearbeitet und erläutert. „Ohne den natürlichen Treibhauseffekt wäre es bei uns auf der Erde um 33 Grad kälter“, wie Anja Paumen an dieser Stelle hervorhob. Das Problem sei der anthropogene, der zum Klimawandel führe. Prof. Graßl wies in diesem Zusammenhang auf Joseph Fourier hin, der den Treibhauseffekt bereits 1824 entdeckte.

Jürgen Kerwer begrüßt die Gäste
Blick aufs Publikum und die Gäste

 

Hans Jessen wollte dann wissen, was denn Kohlendioxid überhaupt sei und wie es zu den erhöhten Werten in den letzten Jahrzehnten in der Atmosphäre gekommen wäre. Prof. Küpper erläuterte, dass erst durch die Industrialisierung ab Mitte des 18. Jahrhunderts und der zunehmenden Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas der Gehalt von Kohlendioxid in der Atmosphäre deutlich zugenommen habe. Prof. Graßl stellte in diesem Zusammenhang klar, dass „die 1,5 Grad Celsius Erderwärmung eingetütet seien.“ Wenn ein großer Teil der Länder, die das Paris-Abkommen im Dezember 2015 unterzeichnet haben, ihre freiwilligen Reduktionsziele erreichen würden, dann „wäre eine Erderwärmung von knapp 2 Grad Celsius machbar.“ Notwendig wären aus seiner Sicht, um den Erderwärmungsprozess abzuschwächen u.a. die Aufforstung von Wäldern (Senken als Speicherorte), eine biologisch-dynamische Landwirtschaft und das Speichern von Kohlenstoff im Boden.

Bei der Auswahl der Interviewpartner wollten Anja Paumen und Prof. Küpper auch bewusst verschiedene Blickwinkel darstellen und dabei vor allem „auch die wirtschaftlichen Faktoren des Menschen herausarbeiten“, wie Prof. Küpper ergänzte. Auf die Frage von Hans Jessen, ob es auch kontroverse oder schwierige Gespräche mit den Interviewpartnern gab, verwiesen die beiden Autoren auf das Interview mit dem bekannten Volkswirt Prof. Dr. Hans-Werner Sinn. Nicht immer bekamen sie im Gespräch mit Prof. Sinn zufriedenstellende Antworten auf ihre Fragen. Jedoch brachten die Nachfragen dann z.T. „nicht zu erwartende Antworten“, wie Anja Paumen bemerkte, z.B. die Aussage von Prof. Sinn, dass die Wirtschaft gar nicht immer wachsen müsse.
Beim einzigen Nicht-Wissenschaftler unter den Interviewten, dem Dirigenten Enoch Freiherr von und zu Gutenberg, der zu den Mitbegründern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in den 70er Jahren gehörte, konstatierten die Autoren die „größte Skepsis“ im Hinblick auf den Klimawandel.
Zu den weiteren Interviewpartnern zählte auch der Physiker und Biologie Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, der von allen Anwesenden sehr geschätzt wird und „druckreif spricht“, wie Prof. Graßl, der mit ihm befreundet ist, ergänzte.

Mit Blick auf den dritten Teil des Buches wollte Hans Jessen von den Autoren wissen, welche Perspektiven und Handlungsempfehlungen ihnen besonders wichtig seien. Prof. Küpper und Anja Paumen wiesen in ihren Antworten daraufhin, dass diese „aus den Kernaussagen der Interviewten“ zusammengestellt worden seien. Wichtig sei es ihnen, dass „dem Leser Perspektiven aufgezeigt werden“, die gleichzeitig verknüpft sind mit Vorschlägen, was geändert werden muss in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bzw. auch „was man selbst dazu beitragen könne.“ Langfristiges Denken sei dabei von Nöten und kein kurzfristiges. Beispielsweise sei es zwingend notwendig, „Energie teurer zu machen, um letztendlich mehr Energie-Effizienz zu erlangen“, wie Prof. Küpper betonte. Prof. Graßl ergänzte hierzu, dass die Finanz- und Wirtschaftswelt bedingt durch die Finanzkrise und politischen Weichenstellungen vor wenigen Jahren „sich bereits von der Kohle verabschiedet habe“.

Hans Jessen mit Anja Paumen, Prof. Graßl und Prof. Küpper im Gespra?ch
Blick ins Publikum

 

Das Publikum stellte im Anschluss an das Werkstattgespräch zahlreiche Fragen. Zum Beispiel kam die Frage auf, wer oder welche Faktoren die Umsetzung von klimafreundlichen Maßnahmen beschleunigen könnte bzw. könnten. Prof. Graßl verwies in seiner Antwort auf die vorbildliche Rolle Deutschlands, das den Kohlendioxidausstoß Schritt für Schritt herunterfahren würde und bis 2020 40 Prozent weniger Emissionen ausstoßen will. Bei der Braunkohle sei es allerdings notwendig, dass „im Bundesumweltministerium so schnell wie möglich ein detaillierter Plan zum Ausstieg aus der Braunkohle erarbeitet werde, ähnlich wie bei der Steinkohle vor einigen Jahren“, so Prof. Graßl.
Das Thema Bildung im Zusammenhang mit dem Klimawandel wurde vom Publikum an diesem Abend vermisst. In der Tat „spiele die Bildung im Buch selbst eine eher untergeordnete Rolle“, wie Prof. Küpper bestätigte. Nichtsdestotrotz waren sich alle Diskutierenden einig, dass man ohne (nachhaltige) Bildung, Information und Aufklärung nicht nur in den Industrieländern, sondern vor allem auch in den Entwicklungsländern beim Klimaschutz keine weitreichenden Erfolge erzielen könne.
Hans Jessen, selbst Lehrer, meinte in diesem Kontext, dass mit dem Buch von Anja Paumen und Prof. Küpper „Bildungsarbeit geleistet werden könne und es auf jede Schulbuchliste gehöre“.

Auf die Frage von Dr. Beatrix Tappeser, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, an welchen Punkten bzw. wie man die Gesellschaft am besten mitnehmen könne, ergänzt durch die Frage von Hans Jessen, welche Wege gangbar seien, gaben die drei Wissenschaftler ihre persönlichen Einschätzungen zum Schluss dazu ab.
Anja Paumen verwies auf das „positive Gefühl aus Paris, dass man gemeinsam etwas erreichen könne“. Diese „positive Resonanz müsse in die Bevölkerung getragen und sie zum Mitmachen angeregt werden“, so Anja Paumen weiter.
Prof. Küpper stellte klar, dass „man nicht gegen Wirtschaft und Gesellschaft Klimaschutz betreiben könne, sondern nur miteinander“.
Und Prof. Graßl gab schließlich zum Klimaschutz ein klares Bekenntnis aus seinen langjährigen Erfahrungen ab: „Nie nachgeben!“

„It’s the Planet, Stupid!“ von Anja Paumen und Jan-Heiner Küpper kann bei bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung hier bestellt werden.

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Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/V bearbeitet.