Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
Bild Deine Demokratie

Mut zur Nachhaltigkeit: Die Waldoptionen: Ein Korridor für den Klimaschutz vor dem langfristigen Umbau der Energiesysteme

Vortrag von Klaus Wiegandt, Vorstand der Stiftung Forum für Verantwortung, am 20. April 2016 an der Evangelischen Hochschule Darmstadt

Darmstadt, 20. April 2016 – Die stellvertretende Präsidentin der Hochschule, Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke, sowie der ständige Vertreter des Direktors der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Jürgen Kerwer, begrüßten die Zuhörer und eröffneten die neue Vortragsreihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ an der Evangelischen Hochschule Darmstadt.  
Im Anschluss daran erörterte Klaus Wiegandt, Vorstand der Stiftung Forum für Verantwortung, in seinem Vortrag „Die Waldoptionen: Ein Korridor für den Klimaschutz vor dem langfristigen Umbau der Energiesysteme“. Bevor er konkret auf diese Waldoptionen einging breitete er anhand von Zahlen und Fakten aus, welche Probleme und Herausforderungen hinsichtlich des Klimas für die Menschheit bereits bestehen bzw. auf sie in den nächsten Jahrzehnten verstärkt zukommen werden.

Ein großes Problem stelle das weltweite Wirtschaftssystem mit seiner nur auf Wachstum ausgerichteten Zielsetzung dar. „Diesem Wachstum wird alles andere untergeordnet“, wie Klaus Wiegandt betonte. Es ginge nur um kurzfristige Gewinnmaximierung. Dieses Wachstum werde z.B. auch durch die Herstellung von Produkten erzeugt, die die Menschen gar nicht benötigten. „20% aller hergestellten Produkte brauchen wir überhaupt nicht“, so der Stiftungsvorstand weiter. Die Werbewirtschaft sorge mit seinen hohen Werbeausgaben pro Jahr dafür, dass die Verbraucher diese Produkte trotzdem kauften und über ihre Verhältnisse leben würden.
Die Bereiche Energie und Verkehr seien dabei die größten Umweltverschmutzer. Der Ausbau von Kohlekraftwerken, die rücksichtslose Ausbeutung fossiler Rohstoffe, der zunehmende Automobil- und Flugverkehr trügen ebenso dazu bei wie auch der hohe Energieaufwand bei der Entwicklung und Produktion von umweltverträglicheren Alternativen wie Windrädern und Elektroautos.
Der Klimawandel, der durch das Wirtschaftswachstum und die wachsende Weltbevölkerung weiter befeuert würde, sei „die größte Herausforderung für die Menschheit und wird letztendlich zu großen klimatischen Verschiebungen weltweit führen“, konstatierte Klaus Wiegandt.

Um diese Entwicklungen noch rechtzeitig zu ändern gäbe es, wie zahlreiche Forstwissenschaftler seit geraumer Zeit bekräftigten, die sogenannten Waldoptionen. Die Wissenschaftler sprächen von einem Zeitfenster von 15 bis 20 Jahren, in dem die Waldmaßnahmen dazu beitragen könnten, den Klimawandel abzumildern.

Notwendig wäre zum einen, das Abholzen der Regenwälder ab sofort zu stoppen und zum anderen, ein weltweites Aufforstungsprogramm anzustoßen. Dazu müssten jedes Jahr von der Staatengemeinschaft rund 200 Milliarden Euro für die Aufforstungsprogramme sowie zusätzlich Ausgleichszahlungen an die Länder mit Regenwäldern bereitgestellt werden.
Auf dem Pariser Weltgipfel Ende 2015 seien zwar Fortschritte erzielt und u.a. auch die Waldoptionen als Maßnahmen anerkannt worden, doch gäbe es keine Verbindlichkeiten, sondern „bisher nur freiwillige Selbstverpflichtungen“, wie der Vortragende ausführte.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob es überhaupt ausreichend Gebiete gäbe, um Wälder aufzuforsten, antwortete Klaus Wiegandt, dass „genügend Flächen weltweit zur Verfügung stehen.“

Eine weitere Frage aus dem Publikum, was man denn nun selbst tun könne, beantwortete er damit, dass „eine Aufklärung in der Öffentlichkeit“ auf breiter Basis notwendig sei. „Wir haben hier kein technologisches Problem, sondern ein kulturelles“, so Klaus Wiegandt dazu. Wichtig wäre „eine Bewegung von unten“, getragen vor allem von jungen Menschen, die sich parteipolitisch engagiere, vor Ort Umweltgruppen bilde, auf die Straßen ginge und für eine umweltverantwortlichere Politik eintrete.  

Klaus Wiegandt setzt sich mit seiner im Jahre 2000 gegründeten Stiftung Forum für Verantwortung für die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung vor allem auf dem Gebiet der nachhaltigen Entwicklung ein. Er selbst hält vor allem im universitären Umfeld Vorträge zu dieser Thematik und sieht in der Aus-Bildung die größte Chance, das Thema nachhaltige Entwicklung zu verankern. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Stiftung.

Klaus Wiegandt bei seinem Vortrag über die Waldoptionen am 20. April 2016 an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt.

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/V bearbeitet.