Hessische Landeszentrale für politische Bildung
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Rückblick: „Die Brentanos. Eine romantische Familie?“

Die Buchvorstellung „Die Brentanos. Eine romantische Familie?“ am 16. November 2016 in der Brentano-Scheune in Oestrich-Winkel wurde von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Freundeskreis Brentano-Haus ausgerichtet. Mit dem Brentano-Haus und seiner zum Ensemble gehörenden Brentano-Scheune stand ein hervorragender authentischer Erinnerungsort für die Vorstellung eines außergewöhnlichen Buches zur Verfügung. 

Der im Oktober 2016 erschienene Sammelband, dem sich die zahlreich besuchte Veranstaltung widmete, beschäftigt sich mit den Ursprüngen, sozialen Rahmenbedingungen, kulturellen und gesellschaftlichen Leistungen der Familie Brentano – jener im 18. Jahrhundert in Frankfurt Fuß fassenden italienischen Einwandererfamilie. In den Vertretern dieser Familie gewinnt die Romantik in ihren vielen Facetten Gesicht und Gestalt. Die einzelnen biografischen Studien widmen sich der italienischen Herkunft, dem Frankfurter, dem Aschaffenburger und dem hessischen Zweig der Brentanos sowie den Kindern und Enkeln Bettina von Arnims. Daraus entstehen die Konturen einer außergewöhnlichen Familie, die aus der Kultur- und Geistesgeschichte der deutschen Romantik und des Bundeslandes Hessen nicht wegzudenken ist.

Dr. Bernd Heidenreich,
Direktor der Hessischen Landeszentrale
für politische Bildung

In seinem Eröffnungsvortrag stellte der Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung Dr. Bernd Heidenreich die Bedeutung der Brentano-Familie für die Romantik als „Labor der Moderne“ und für die kulturelle Entwicklung einer ganzen Epoche, deren Wirkungen bis in die Gegenwart ausstrahlen, heraus. In den „Biographien und Lebensbildern“, die der Sammelband präsentiert, „bildet sich das Lebensgefühl, das Denken und die Literatur dieser Schlüsselepoche der deutschen und europäischen Geistes- und Kulturgeschichte in wesentlichen Aspekten modellhaft ab“, sagte Dr. Heidenreich. Eine ganz besondere Aura umgebe die Brentanos, eine Aura, die das „Spannungsfeld von Freiheitsbedürfnis und Verantwortungsgefühl, von Individualismus und sozialem Engagement, von künstlerischer Kreativität und dem Gemeinwohl verpflichteter Weltklugheit, von Kunst und Politik“ umfasse.

Im Anschluss hob der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein in seinem lebendigen, immer wieder durch Beifall unterbrochenen Grußwort hervor, wie prägend die Familie Brentano für das heutige Hessen war und ist. Mehrfach aus dem Sammelband zitierend rief Staatsminister Rhein den Zuhörern auch in Erinnerung, dass der wirtschaftliche Aufstieg der Brentanos zugleich die Grundlage für die kulturelle Blüte dieser Familie war. Sie gebe damit nicht zuletzt auch ein historisches Beispiel für eine Erfolgsgeschichte der Integration einer Zuwandererfamilie ab. Dass die als Händler in Frankfurt ansässig werdenden Brentanos von der dortigen Stadtbevölkerung nicht immer mit offenen Armen empfangen wurden, belegte Rhein mit einem zeitgenössischen Zitat. 

Staatsminister Boris Rhein,
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Als sehr gelungen erwies sich die anschließende Podiumsdiskussion, an der die Herausgeberinnen und Herausgeber des Sammelbandes teilnahmen: Neben Dr. Bernd Heidenreich waren dies Dr. Evelyn Brockhoff, Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Frankfurter Goethe-Hauses/Freien Deutschen Hochstifts und Prof. Dr. Wolfgang Bunzel, Leiter der Brentano-Abteilung im Goethe-Haus. Die fachkundige und zugleich unterhaltend geführte Moderation der lebhaft diskutierenden Gesprächsrunde lag in den Händen von Prof. Dr. Heiner Boehncke vom Hessischen Rundfunk. Die Gespräche kreisten um Themen im Zusammenhang mit dem Sammelband, aber auch um die deutsche Romantik im Allgemeinen. So wurde auf das im Entstehen begriffene Romantik-Museum in Frankfurt mehrfach hingewiesen und dessen Bedeutung betont. Außerdem wurde über den Stand der Wissenschaft und die nach wie vor bestehenden Forschungsdesideraten zur Brentano-Familie diskutiert. Und schließlich befassten sich die Podiumsteilnehmer mit dem demonstrativen Fragezeichen im Titel des Buches: „Eine romantische Familie?“. Ob man diese Familie romantisch nennen kann, „muss der Leser aber selbst entscheiden“, meinte dazu Dr. Heidenreich. 

Der Vorsitzende des Freundeskreises Brentano-Haus Prof. Dr. Gerd Weiß beschloss die kurzweilige Veranstaltung.

von links nach rechts:
Dr. Bernd Heidenreich,
Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung;
Dr. Evelyn Brockhoff,
Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt;
Moderator Prof. Dr. Heiner Boehncke,
Autor und Literaturwissenschaftler;
Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken,
Direktorin des Frankfurter Goethe-Hauses/ Freies Deutsches Hochstift;
Prof. Dr. Wolfgang Bunzel,
Leiter der Brentano-Abteilung
des Frankfurter Goethe-Hauses/ Freies Deutsches Hochstift
Prof. Dr. Gerd Weiß,
Vorsitzender des Freundeskreises Brentano Haus e. V.