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Bilanz zum Klimaschutz nach dem Klimavertrag von Paris

Vortrag von Klaus Wiegandt, Vorstand der Stiftung Forum für Verantwortung, am 31. Oktober 2016 an der Evangelischen Hochschule Darmstadt 

Darmstadt, 31. Oktober 2016 – Die stellvertretende Präsidentin der Hochschule, Frau Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke, sowie der ständige Vertreter des Direktors der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Jürgen Kerwer, begrüßten die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer in der Aula der Evangelischen Hochschule Darmstadt zu einem hochschulöffentlichen Vortrag im Rahmen der Lehrveranstaltung „Ökonomik der Ausschließung und der Partizipation“.

In seinem Vortrag „Bilanz zum Klimaschutz nach dem Klimavertrag von Paris“ ging Klaus Wiegandt, Vorstand der Stiftung Forum für Verantwortung, zunächst auf den Klimavertrag von Paris ein, der eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bzw. 2 Grad als Zielsetzung für die 196 beteiligten Staaten festhält. „Wir wiegen uns allerdings in trügerischer Gewissheit, dass dies auch geschehen wird“, kommentierte Klaus Wiegandt dazu. Gründe dafür, warum der Vertrag nicht ausreiche, um das Ziel zu erreichen, seien dreierlei. Zum einen seien aus seiner Sicht die finanziellen Anstrengungen zu gering. Statt 100 Mrd. US-Dollar müssten jährlich 700 Mrd. US-Dollar in die Klimapolitik weltweit investiert werden. Zum anderen fehle eine weltweite finanzielle Regelung zum Kohlendioxid-Ausstoß. Zudem sei eine Vereinbarung über die Aufforstung der Regenwälder (Waldoption) verschoben worden.

Eine entscheidende Herausforderung, neben der wachsenden Bevölkerung weltweit, besonders in Asien und Afrika, stelle dabei das weltweite Wirtschaftssystem mit seiner nur auf Wachstum ausgerichteten Zielsetzung dar. „Diesem Wachstum wird alles andere untergeordnet“, stellte Klaus Wiegandt fest. Die Wirtschaft schaue nur auf Gewinnmaximierung. Sie produziere daher Produkte, die die Menschen gar nicht benötigten. „20 bis 30 Prozent aller hergestellten Produkte brauchen wir überhaupt nicht“, so der Stiftungsvorstand weiter. Die Wirtschaft wecke Bedürfnisse bei den eigentlich gesättigten Verbrauchern. Die Werbewirtschaft sorge dabei mit wachsenden hohen Werbeausgaben pro Jahr dafür, dass die Verbraucher diese Produkte trotzdem kauften. Damit übernähmen sie sich gleichzeitig finanziell und würden über ihre Verhältnisse leben. Ein anderes Problem sieht Klaus Wiegandt in der Preisgestaltung, denn bei vielen Produkten würden nicht die Folgekosten miteinberechnet. Diese müssten dann später durch die Gesellschaft mitgetragen werden. Zudem würden heutzutage Produkte bewusst fehlerhaft produziert, damit der Verbraucher möglichst bald wieder ein neues Produkt kaufen muss.

Der Klimawandel, der durch das Wirtschaftswachstum und die wachsende Weltbevölkerung weiter befeuert würde, sei „die größte Herausforderung für die Menschheit und wird letztendlich zu großen klimatischen Verschiebungen weltweit führen“, konstatierte Klaus Wiegandt. Wenn die Erderwärmung ungebremst weiter ginge, würde der Klimawandel vermutlich ab der Mitte des Jahrhunderts einsetzen und dramatische Veränderungen zur Folge haben: Klimazonen würden sich verschieben, Ernten würden vernichtet, Dürrezonen würden entstehen und Naturkatastrophen würden insgesamt zunehmen. 

Diese Entwicklungen könnten noch rechtzeitig aufgehalten werden durch die sogenannten Waldoptionen. Wissenschaftler sprächen von einem Zeitfenster von 10 bis 15 Jahren, in dem die Waldmaßnahmen dazu beitragen könnten, den Klimawandel abzumildern.

Notwendig wäre zum einen, das Abholzen der Regenwälder ab sofort zu stoppen und zum anderen, ein weltweites Aufforstungsprogramm anzustoßen. Dazu müssten jedes Jahr von der Staatengemeinschaft rund 200 Milliarden Euro für die Aufforstungsprogramme sowie zusätzlich Ausgleichszahlungen an die Länder mit Regenwäldern bereitgestellt werden. China würde hier vorangehen und sei dabei, ein Gebiet von der Fläche Großbritanniens aufzuforsten.

Das Geld sei vorhanden, um dies auch weltweit anzugehen. Das Problem sei, so Klaus Wiegandt weiter, dass die Politik dies nicht konsequent und ernsthaft angehen würde. Andere Probleme, wie Flüchtlinge, Rente, innere Sicherheit usw., würden dies überlagern.

Auf die Frage aus dem Publikum, was der „kleine Bürger“ denn machen könnte, antwortete Klaus Wiegandt, dass der Druck aus der Bevölkerung auf die Politik zunehmen sollte, um sie zum Handeln zu bewegen. „Eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft sei hier notwendig“, sagte der Stiftungsvorstand.  Jeder Einzelne sollte die Möglichkeiten unserer Demokratie nutzen und sich einbringen. Auch die Veränderung des eigenen Konsumverhaltens sei richtig und wichtig, wie z.B. ein Fairphone zu kaufen wie ein Zuhörer anmerkte, ginge aber nicht so schnell voran, um einen entscheidenden Beitrag zur Abschwächung der Klimaerwärmung zu erzeugen.

Die Politik müsse letztendlich der Wirtschaft eindeutige Vorgaben machen und sich in der Weltgemeinschaft gemeinsam für die Waldoptionen stark machen.

Klaus Wiegandt setzt sich mit seiner im Jahre 2000 gegründeten Stiftung Forum für Verantwortung für die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung vor allem auf dem Gebiet der nachhaltigen Entwicklung ein. Er selbst hält vor allem im universitären Umfeld Vorträge zu dieser Thematik und sieht in der Aus-Bildung die größte Chance, das Thema nachhaltige Entwicklung zu verankern. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie hier.

Die Veranstalter, Evangelische Hochschule Darmstadt, die Stiftung Forum für Verantwortung und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, wollen zukünftig weitere Veranstaltungen unter dem Thema „Mut zur Nachhaltigkeit“ anbieten.