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Der Kongress tanzt - Die Neugestaltung Europas 1814/15

Dr. Christian Böhme (Tagesspiegel) im Gespräch mit dem Historiker Prof. Dr. Heinz Duchhardt über den Wiener Kongress am 25. Juni in der HLZ

Wiesbaden, 25. Juni 2015 - Vor rund 100 Zuhörern erläuterte Prof. Dr. Heinz Duchhardt, emeritierter Professor für Neuere Geschichte aus Mainz, in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung das Ereignis Wiener Kongress mit seinem Vor- und Nachspiel. Die Moderation übernahm Dr. Christian Böhme, promovierter Historiker, aus der Politikredaktion des Tagesspiegels aus Berlin.

Dr. Christian Böhme (Tagesspiegel) im Gespräch mit Prof. Dr. Heinz Duchhardt über den Wiener Kongress
Rund 100 Zuhörer besuchten die Veranstaltung am 25. Juni in der HLZ

Im Mittelpunkt des Wiener Kongresses, stand so Prof. Duchhardt, die „Neugestaltung Europas“. Von vornherein ging es den in Wien tagenden Mächten – allen voran Russland, Preußen, Österreich und England –, um die „Herstellung eines neuen Gleichgewichts der Kräfte in Europa“, das eine neue Supermacht verhindern sollte. Auch Frankreich – die Bourbonen übernahmen wie auch in Spanien hier erneut die Herrschaft – stand die Tür offen, wieder im Konzert der Großmächte mitzuspielen, was Talleyrand, französischer Minister für auswärtige Angelegenheiten, in Wien geschickt nutzte und maßgeblich an einem Kompromiss in der strittigen Sachsen-Polen-Frage zwischen den Großmächten mitwirkte.

Auch wenn einige Themen wie der Balkan oder Italien nicht geklärt werden konnten und die offene Sachsen-Polen-Frage im Laufe des neunmonatigen Kongresses fast zu einer Eskalation führte, waren doch letztendlich alle entscheidenden Mächte zu „Kompromissen bereit“, wie Prof. Duchhardt weiter betonte. Napoleons Wiederauftauchen im Frühjahr 1815 und die Ergreifung notwendiger militärischer Gegenmaßnahmen bis zur Schlacht von Waterloo beschleunigten die Entscheidungen in Wien. Zudem trugen nach 25 Jahren Krieg in Europa „die Kriegsmüdigkeit der tagenden Staaten ebenso einen entscheidenden Teil dazu bei.“
Einen wichtigen Beitrag zur Entscheidungs- und Kompromissbereitschaft leisteten aber auch die zahlreichen Veranstaltungen, Feierlichkeiten, Volksfeste oder Vorführungen, die Hundertausende von Menschen in dieser Zeit nach Wien lockten. Diese täglich stattfindenden Festivitäten hielten die Delegierten in den zahlreichen Kommissionen und den entscheidenden Achterkomitees „in Bewegung und sorgten dafür, dass die Gespräche im Gang blieben.“

Auf eine Frage aus dem Publikum, welche Position die Mächte in Wien gegenüber den liberalen und modernen Ansätzen in Europa einnahmen, war seine Antwort eindeutig: „Der Kongress war konservativ, von Österreich, Preußen und Russland dominiert und rückwärtsgewandt.“

Dr. Böhme nahm Bezug zur Gegenwart und stellte die Frage, ob ein „Wiener Kongress heutzutage denkbar wäre“. Prof. Duchhardt meinte dazu, dass „die Ausgangslage und Situation 1814, nicht mit der heutigen zu vergleichen sei.“ Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es mit dem Helsinki-Abkommen von 1975 „eigentlich ausreichend Instrumente in Europa gäbe, um den Ukraine-Konflikt lösen zu können.“

Prof. Dr. Heinz Duchhardt hat 2013 den Band „Der Wiener Kongress. Die Neugestaltung Europas 1814/15“ bei C.H. Beck veröffentlicht. Mittlerweile ist bereits die zweite Auflage erschienen. Die Zentralen für politische Bildung haben eine gemeinsame Sonderausgabe herausgebracht, die auch bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung hier zu beziehen ist.

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