Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
Bild Deine Demokratie

Buchvorstellung: Freya Klier "Wir letzten Kinder Ostpreußens. Zeugen einer vergessenen Generation"

Freya Klier und Dr. Bernd Heidenreich

Am 22. Januar 2015 war Freya Klier zu Gast in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Die Autorin las aus ihrem Buch "Wir letzten Kinder Ostpreußens. Zeugen einer vergessenen Generation".

Freya Klier, geboren 1950 in Dresden, ist Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin. 1968 wurde sie wegen versuchter "Republikflucht" zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach vorzeitiger Entlassung und Arbeit als Theaterregisseurin war Frey Klier 1980 Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung. 1988 wurde sie zusammen mit anderen Bürgerrechtlern verhaftet und unfreiwillig ausgebürgert. Freya Klier hat zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten, u.a. das Bundesverdienstkreuz (2012).

In ihrem Werk widmet sich Freya Klier sieben Kindern, die alle ein ähnliches Schicksal im Sommer 1944 teilten. Die Kindheit ist leidvoll geprägt vom Krieg, die letzten Kriegsmonate bedeuten Flucht und Hoffnung, aber auch dramatische Momente durch Verfolgung im sowjetisch besetzten Ostpreußen. Die von Freya Klier dargestellten Einzelschicksale stehen in ihrer Besonderheit und Dramatik für sich, zugleich sind sie jedoch ein exemplarisches Bild für die Generation an Kindern, deren Jugendzeit und das spätere Leben vom Krieg und dessen Ende beeinflusst wurde.

Dr. Bernd Heidenreich, Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, führte durch den gemeinsamen Abend mit Freya Klier. Die Buchvorstellung stand auch im Zeichen des Gedenkjahres 2015. Vor diesem Hintergrund erinnerte die Veranstaltung auch daran, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Das Gedenken an die Kriegsopfer und die Auseinandersetzung mit den Einzelschicksalen sind Teil einer Erinnerungskultur, die das Bewusstsein für die Würde jedes Einzelnen öffnen. Heidenreich wies in seiner Einführung zu Beginn der Lesung auf einen Grundgedanken in den Publikationen und Filmen Freya Kliers hin: "Es geht um die Wiederherstellung der menschlichen Würde jenseits der Zeit. Indem wir uns nämlich mit den Schicksalen dieser Opfer auseinandersetzen, indem wir ihre Lebenswege dem Vergessen entreißen, fügen wir diese Würde gleichsam auf einer metaphysischen Ebene wieder zusammen und schaffen so ein Stück später Gerechtigkeit und Heilung." Die Geschichtserfahrung durch Lehrbücher und der Sachliteratur sei ein Bestandteil politischer Bildung - die tatsächliche Begegnung der Generationen und das gemeinsame Gespräch mit den Zeugen dieser Zeit eine weitere, sehr eindringliche Form der Auseinandersetzung mit der historischen Vergangenheit.

Die HLZ bot an diesem Abend die Gelegenheit des gemeinsamen Dialogs der Generationen. An der Veranstaltung nahmen neben vielen Zeitzeugen der Flucht und Vertreibung auch Schülerinnen und Schüler teil, die mit großer Aufmerksamkeit und durchaus auch emotionalem Interesse der Lesung folgten. Im Anschluss hatten die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, nach der Buchvorstellung mit Freya Klier und untereinander ins Gespräch zu kommen und den bewegenden Abend ausklingen zu lassen.

Die Buchvorstellung wird am 27.02.2015 in Kooperation mit der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt mit mehr als 200 Schülerinnen und Schülern wiederholt.

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 2/V bearbeitet.