Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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Gesellschaft im Wandel

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„Hesse ist, wer Hesse sein will“ (Georg August Zinn bei der Eröffnung des ersten Hessentags 1961)

Ungefähr 6,176 Millionen Menschen leben heute in Hessen. Zu ihnen gehören Menschen aus zahlreichen Herkunftsländern und Kulturen, die seit Jahrzehnten zuwandern, Heimatvertriebene, (Spät-)Aussiedler, russisch-jüdische Zuwanderer, Gastarbeiter, Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge. Sie alle prägen das Zusammenleben, stehen für Vielfalt, die unser Land bunt macht, aber auch für Kontroversen und Konflikte, mit denen sich die Gesellschaft auseinandersetzen muss.

Heimatvertriebene
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das noch junge Land Hessen bis zum 1. Juni 1949 652.298 Heimatvertriebene auf, 720.583 Heimatvertriebene hatten zur Volkszählung im September 1950 in Hessen ein neues Zuhause gefunden. Insbesondere die Anfang 1950 gegründete Partei Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten, von 1954 bis 1966 als Koalitionspartner der SPD unter Ministerpräsident Georg August Zinn, wollte die Interessen der Heimatvertriebenen vertreten.

(Spät-)Aussiedler
Den Heimatvertriebenen folgten Aussiedler und Spätaussiedler. Von 1950 bis 2014 kamen insgesamt 4.517.050 (Spät-)Aussiedler nach Deutschland, 2.369.506 aus der ehemaligen UdSSR. Als Spätaussiedler werden Menschen bezeichnet, die ab dem 1. Januar 1993 in die Bundesrepublik gekommen sind. Hessen hat im Jahr 2014 391 Menschen aufgenommen.

Gastarbeiter und Arbeitsmigranten
In den Jahren des Wirtschaftswunders in Deutschland warb die Bundesregierung in Abkommen mit Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem ehemaligen Jugoslawien (1968) um Arbeitskräfte, die in der Industrie dringend gebraucht wurden. Für viele der Arbeiter wurde Deutschland zur neuen Heimat, Familien zogen nach.

Flüchtlinge
Kriege und Krisen haben die Zahl der Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen, dramatisch ansteigen lassen. Mehr als eine Million Flüchtlinge kamen in der Hochphase der Fluchtbewegung im Jahr 2015 nach Deutschland, 80.000 Menschen davon nach Hessen. Sie stellen für das Land und die Kommunen eine große Herausforderung dar.

Politische Herausforderungen
In den vergangenen Jahrzehnten sah sich Hessen immer wieder vor neue politische Herausforderungen gestellt. Mitte der 1960er Jahre formierte sich auch in Hessen eine Außerparlamentarische Opposition (APO), die im Wesentlichen von Studenten getragen wurde. Viele von ihnen kritisierten die geplanten Notstandsgesetze der Bundesregierung und forderten Reformen für die Universitäten wie auch für die Gesellschaft insgesamt. Wesentlichen Einfluss auf die Studenten hatte die „Frankfurter Schule“ des Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno und des Sozialphilosophen Max Horkheimer. In den frühen 1970er Jahren führten die Parteien in Hessen einen Kampf um die flächendeckende Einführung der Gesamtschule, der im Wesentlichen ein Kampf um die Rahmenrichtlinien für Deutsch und Gesellschaftslehre war. Dies führte letztlich zu einer Politisierung der Schule. Anfang der 1980er Jahre erlebte das Land eine Zuspitzung der Konflikte um Umwelt- und Rüstungsthemen. Dabei ging es um den Bau der Startbahn West, die geplante Erweiterung von Atomanlagen wie auch um die Aufstellung von US-Atomraketen.
Vor dem Hintergrund der Kontroversen begann der Aufstieg der GRÜNEN, die ab 1984 die SPD-Minderheitenregierung tolerierten und Ende 1985 mit Joschka Fischer als Staatsminister für Umwelt und Energie erstmals in Deutschland auf Länderebene einen Kabinettsposten erhielten. 1987 bildete sich in Hessen die erste Regierung unter der Führung der CDU. Sie wurde 1991 von SPD und GRÜNEN abgelöst. Seit 1999 regiert wieder die CDU, bis auf die Jahre 2003 bis 2009, in denen sie die absolute Mehrheit besaß, mit der FDP, seit 2014 mit den GRÜNEN.

Ministerpräsidenten in Hessen

Karl GeilerSPD1945–46
Christian StockSPD1946–50
Georg August Zinn SPD1950–69
Albert OsswaldSPD1969–76
Holger BörnerSPD1976–87
Walter WallmannCDU1987–91
Hans EichelSPD1991–99
Roland KochCDU1999–2010
Volker BouffierCDU seit 2010

FRAGEN

Der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn schuf 1951 den „Hessenplan“. Welche Ziele verfolgte die hessische Landesregierung damit und wie wurde er umgesetzt?

1961 wurde der Hessentag ins Leben gerufen. Erzählen Sie die Geschichte der Hessentage und gehen Sie der Frage nach, warum er gegründet wurde und welche Wirkung er hat.

Der 1974 gegründete Hessenpark würdigt das kulturelle Erbe Hessens und seiner Menschen. Setzen Sie sich mit ihm auseinander.

Erkundigen Sie sich in Ihrer Heimatgemeinde, wie die Aufnahme von Vertriebenen vor sich ging. Fragen Sie auch nach persönlicher Hilfsbereitschaft.

Nehmen Sie in Ihrer Heimatgemeinde Kontakt zu jemandem auf, der als Gastarbeiter nach Hessen kam. Warum ist er nach Deutschland gekommen, welche Hoffnungen hatte er gehabt und welche Enttäuschungen erlebt?

Skizzieren Sie Ursachen und Auswirkungen der Anwerbeabkommen seit 1955 in einer Präsentation.

Studentenbewegung der 1960er Jahre, der hessische Schulkampf in den 1970er Jahren, der Ausbau der Kernenergie, die Proteste gegen den Bau der Startbahn West. Setzen Sie sich kritisch mit einem dieser Konflikte auseinander und gehen Sie der Frage nach, wie er Hessen verändert hat.

1987 erschien der Roman „Die Wolke“ von Gudrun Pausewang, der unter dem Eindruck des schweren Reaktorunfalls in Tschernobyl aufzeigen wollte, welche Folgen ein solcher Unfall für Deutschland haben könnte. Stellen Sie die Schriftstellerin vor und setzen Sie sich mit dem Buch auseinander.

Seit Beginn der 1970er Jahre vertreten in vielen Gemeinden Ausländerbeiräte die Belange der ausländischen Mitbürger gegenüber Politik und Verwaltung. Stellen Sie diese Arbeit vor und fragen Sie nach Erfolgen und Misserfolgen.

2010 erschien der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Er erzählt die Erlebnisse der beiden in Berlin lebenden vierzehnjährigen Jungen Maik und Tschick, einem Russlanddeutschen, die mit einem gestohlenen Lada in die Walachei fahren wollen. Stellen Sie den Roman oder seine Verfilmung vor und beurteilen Sie das Geschehen.

Gehen Sie der Frage nach, aus welchen Ländern und aus welchen Gründen Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Welche Maßnahmen könnten aus Ihrer Sicht für die Integration von Flüchtlingen ergriffen werden?

Der Film „Willkommen bei den Hartmanns“ von 2016 erzählt von einer Familie, die einen jungen Flüchtling aufnimmt. Untersuchen Sie, wie der Film mit der Flüchtlingskrise umgeht, und nehmen Sie Stellung.

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 1/Direktor bearbeitet.