Hessische Landeszentrale für politische Bildung
HLZ – Politische Bildung in und für Hessen
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Die Gründung Hessens

Stimmabgabe im Wahllokal
Bild: Hessisches Hauptstaatsarchiv

Am 19. September 1945 proklamierte die US-Militärregierung in einem Teil ihrer Besatzungszone die Gründung des Landes Groß-Hessen aus den amerikanisch besetzten rechtsrheinischen Gebieten des ehemaligen Volksstaats Hessen (1918/19-1934) und der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Landeshauptstadt wurde Wiesbaden. Am 16. Oktober 1945 setzte die Militärregierung eine hessische Landesregierung unter Ministerpräsident Karl Geiler ein. Mit der Zulassung demokratischer Parteien schufen die Amerikaner zunächst auf Kreisebene ab Ende August 1945 die Voraussetzung für den Beginn deutschen politischen Lebens, schließlich am 23. November 1945 auf Landesebene mit der Genehmigung von Landesparteien. Landesweit zugelassen wurden die Parteien SPD, CDU, KPD und die LDP, die spätere FDP. Am 21. Dezember 1945 erging als erste Nachkriegsgemeindeordnung in einem Land der drei westlichen Besatzungszonen die neue (Groß-)Hessische Gemeindeordnung. Sie bildete die Rechtsgrundlage für den Aufbau kommunaler Strukturen. Erste Kommunalwahlen, zugleich die ersten demokratischen Wahlen in Deutschland nach dem Ende der NS-Diktatur, fanden am 20. Januar 1946 statt. Ihre hohe Wahlbeteiligung von nahezu 85 Prozent bestätigte die Amerikaner darin, den Aufbau demokratischer Strukturen in Hessen auch auf Landesebene voranzutreiben. Erste Etappe auf diesem Weg war der Beratende Landesausschuss, der am 26. Februar 1946 in Wiesbaden zu seiner ersten Sitzung zusammentrat. Obwohl nur mit begrenzten Befugnissen ausgestattet, stellte der Landesausschuss ein wichtiges Bindeglied zwischen der Landesregierung und den Parteien dar. Er war zugleich Experimentier- und Übungsfeld des Nachkriegsparlamentarismus.
Am 30. Juni 1946 fand die Wahl zur Verfassungberatenden Landesversammlung statt, die erste freie landesweite Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei einer Wahlbeteiligung von 71 Prozent gingen wie bei den Kommunalwahlen die Sozialdemokraten (44,3 %) als Sieger hervor, gefolgt von der CDU (37,3 %) und mit Abstand von KPD (9,7 %) und LDP (8,1 %). Am 29. Oktober 1946 beschloss die Verfassungberatende Landesversammlung mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung die Verfassung des Landes Hessen. Am 1. Dezember 1946 nahmen die hessischen Bürger die Verfassung in einer Volksabstimmung an und wählten zugleich den ersten Hessischen Landtag. Die Verfassung wurde mit 76,8 Prozent, in einer gesonderten Abstimmung Artikel 41, der sogenannte Sozialisierungsartikel, mit 72 Prozent angenommen. Aus den ersten Landtagswahlen ging die SPD mit 42,7 Prozent als stärkste Kraft hervor, die CDU erzielte 30,9 Prozent, die KPD 10,7 Prozent, die LDP 15,7 Prozent. Am 19. Dezember 1946 trat in Wiesbaden der erste frei gewählte Hessische Landtag zusammen.

Fritz Bauer (1903 – 1968)

Fritz Bauer
Bild: Hessisches Hauptstaatsarchiv

Fritz Bauer wurde 1903 als Kind jüdischer Eltern in Stuttgart geboren. Er war früh politisch interessiert und trat 1920 der SPD bei. Nach dem Studium der Rechts- und Volkswirtschaftslehre wurde er 1930 Amtsrichter in Stuttgart, doch bereits 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und für einige Monate inhaftiert. 1936 emigrierte Fritz Bauer nach Dänemark, wo er erneut interniert wurde, als die Deutschen 1940 das Land besetzten. 1942 gelang ihm die Flucht nach Schweden, 1949 kehrte er nach Deutschland zurück. Von 1950 bis 1956 wirkte er als Generalstaatsanwalt in Braunschweig, dann in Frankfurt am Main bis zu seinem Tod 1968. In seiner Funktion als hessischer Generalstaatsanwalt war Fritz Bauer maßgeblicher Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse in den Jahren 1963 bis 1965 und damit für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Akten und Tonbänder der Prozesse stehen vor ihrer Aufnahme in das UNESCO-Register „Memory of the World“. Fritz Bauers Leben wurde mehrfach verfilmt. Zu den jüngsten Verfilmungen zählen „Der Staat gegen Fritz Bauer“ von 2015 und „Die Akte General“ von 2016.

Artikel 48 (1)
Freie Religionsausübung

Verfassung des Landes Hessen
Ungestörte und öffentliche Religions[aus]übung und die Freiheit der Vereinigung zu Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften werden gewährleistet.

Religionszugehörigkeiten in Hessen

Evangelische Kirche 40,8 %
Römisch-katholische Kirche 25,6 %
Orthodoxe Kirchen 1,9 %
Jüdische Gemeinden 0,2 %
Quelle: Statistisches Jahrbuch Hessen 2013/14, S. 81
Muslime (Schätzung) 6,4 %
(59 % der Muslime sind Ausländer und 41 % Deutsche mit Migrationshintergrund)   
Quelle: StaWi Staat und Wirtschaft in Hessen 10/11 2013, S. 359 bis 361

Religionszugehörigkeit darf nur im Rahmen des Zensus erhoben werden.

Jüdische Gemeinden in Hessen

Stolperstein in Wiesbaden
Bild: Hessisches Landeszentrale
für politische Bildung/Mathias Friedel

Die Nationalsozialisten haben ihr verbrecherisches Ziel, die vollständige Vernichtung des europäischen Judentums, nicht erreicht. In hessischen Städten sind nach dem Zweiten Weltkrieg rasch wieder jüdische Gemeinden entstanden. Der aus dem Konzentrationslager Theresienstadt zurückgekehrte Rabbiner Leopold Neuhaus konnte mit Hilfe der Amerikaner bereits im Juli 1945 eine neue Jüdische Gemeinde in Frankfurt aufbauen. Im Januar 1947 wurde der erste ordentliche Gemeindevorstand gewählt, am 1. Februar 1948 gab sich die Jüdische Gemeinde ihre erste Nachkriegssatzung. Neben den wenigen deutschen Juden, die die Vernichtungslager oder in einem Versteck überlebt hatten, waren die Gründerväter der Jüdischen Gemeinde Frankfurt überwiegend polnische Überlebende des Holocaust. Heute gehören ihr knapp 7.000 Mitglieder an. Mit 900 Mitgliedern befindet sich in Offenbach die zweitgrößte Jüdische Gemeinde, in Wiesbaden zählt die Gemeinde gegenwärtig rund 550 Mitglieder, in Kassel ist sie von 70 auf über 800 Mitglieder angestiegen. Die Gründe für das Anwachsen der jüdischen Gemeinden liegen in der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, die seit 1991 Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland finden.

FRAGEN

Ziel der Amerikaner war es, in Hessen frühzeitig demokratische Strukturen zu entwickeln. Untersuchen Sie, mit welchen Mitteln sie vorgingen und mit welchem Erfolg.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Schaffung demokratischer Strukturen in Hessen war die Bildungsarbeit, zu der das Reeducation-Programm zählte. Stellen Sie das Programm und seine Ziele vor.

Neben der Demokratisierung fand auch eine Entnazifizierung statt. Erörtern Sie den Begriff und erläutern Sie, welche Maßnahmen ergriffen wurden.

Am 23. November 1945 wurden in Hessen landesweit die Parteien SPD, CDU, KPD und LDP, die spätere FDP, zugelassen. Setzen Sie sich mit der Entwicklung der Parteienlandschaft bis heute auseinander. Welche Parteien gibt es nicht mehr, welche neuen Parteien haben sich gegründet?

Die Amerikaner suchten auch die Umstrukturierung des Schulwesens. Recherchieren Sie die Pläne der Amerikaner und diskutieren Sie die Reaktion der hessischen Landesregierung.

Für die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit war der Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 in Frankfurt am Main von besonderer Bedeutung, da ein deutsches Gericht die ungeheuerlichen Verbrechen des Nationalsozialismus in großem Umfang untersuchte. Stellen Sie den Prozess vor und zeigen Sie auf, welche Bedeutung er für die Aufarbeitung der NS-Diktatur hatte.

Stellen Sie eine der Verfilmungen zur Biographie Fritz Bauers vor und gehen Sie der Frage nach, welche Aspekte sie in den Mittelpunkt stellt.

Von 1947 bis 1951 war Erwin Stein hessischer Kultusminister. 1991 rief er eine Stiftung ins Leben, die der „Förderung der wissenschaftlichen Forschung, der Erziehung, der Volks- und Berufsbildung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens“ dient. Setzen Sie sich mit Erwin Stein und seinen Verdiensten für das Land Hessen auseinander.

Befassen Sie sich mit Leben und Werk von Christian Stock.

Von Februar bis März 1947 wurden vor dem Landgericht in Frankfurt am Main Ärzte und Pflegepersonal der Psychiatrischen Klinik Hadamar wegen der Ermordung von ungefähr 15.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen angeklagt. Setzen Sie sich mit dem Geschehen in Hadamar auseinander, nehmen Sie Stellung zu dem Prozess und den Urteilen.

Befassen Sie sich mit einer Glaubensgemeinschaft Ihrer Wahl und stellen Sie ihre Entwicklung vor.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig einlässt. Gehen Sie in Ihrer Stadt auf Spurensuche.

Nur wenige Wochen nach der Befreiung der Stadt durch die US-Armee wurde die Jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main wieder aufgebaut. Recherchieren Sie die Entwicklung der Gemeinde bis heute.

Juden aus der ehemaligen Sowjetunion haben die jüdischen Gemeinden in Deutschland vergrößert. Untersuchen Sie, ob sie das Leben der Gemeinden verändert haben.

Seit 2016 ist Trude Simonsohn die erste Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt am Main. Setzen Sie sich mit ihrem Leben auseinander.

Die Biographie der gebürtigen Frankfurterin Edith Erbrich wurde von Peter Holle in dem Buch „Ich hab‘ das Lachen nicht verlernt“ aufgezeichnet. Stellen Sie das Buch vor.

Viele Gedenkstätten in Hessen tragen zur Erinnerung an den Nationalsozialismus bei. Stellen Sie eine aus Ihrer Region vor.

Elisabeth Selbert wurde für die SPD 1946 in die Verfassungberatende Landesversammlung gewählt. Erstellen Sie ein Porträt der Politikerin.

Die Wilhelm-Leuschner-Medaille ist die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. Sie wurde 1965 das erste Mal verliehen. Gehen Sie der Frage nach, warum die höchste Auszeichnung Hessens den Namen Wilhelm Leuschners trägt. Setzen Sie sich mit der Lebensgeschichte und den politischen Verdiensten eines Preisträgers auseinander.

2008 wurde die länderübergreifende Point Alpha Stiftung gegründet. Stellen Sie die Einrichtung und ihre heutige Arbeit vor.

Zuständiges Referat

Dieses Thema wird von Referat 1/Direktor bearbeitet.